Bund der Steuerzahler Hessen e.V. - Allein im Museum

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06.11.2018

Allein im Museum

In Dieburg werden die zahlenden Besucher des Museums Schloss Fechenbach immer weniger, die enormen Belastungen des städtischen Haushalts werden aber nicht zurückgeführt. Weil durchschnittlich weniger als vier zahlende Gäste am Tag kommen, muss die Stadt auf jedes dieser Tickets etwa 450 Euro drauflegen. Das darf nicht so bleiben!

Dieburg. Dass Museen in der Regel nicht wirtschaftlich betrieben werden können, ist unbestritten. Subventionierte Eintrittskarten mit Zuschüssen im unteren zweistelligen Eurobereich sind allgemein akzeptiert. Doch wenn eine Kleinstadt bei jedem zahlenden Museumsbesucher noch 450 Euro drauflegen muss, ist es dringend an der Zeit, die Reißleine zu ziehen.

Ein solcher Fall ist das Museum Schloss Fechenbach in Dieburg. Das Museum sammelt und bewahrt historische Gegenstände der Stadt Dieburg und der Region. Der Eintritt beträgt regulär 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro und bis zum 15. Lebensjahr sowie jeden ersten Mittwoch im Monat ist er frei. Doch selbst diese vergleichsweise günstigen Konditionen werden immer weniger genutzt. Waren es im Jahr 2008 noch 5.228 zahlende Besucher, ist die Zahl im Jahr 2017 auf den Tiefstand von 1.341 gesunken. Damit besuchen das Museum durchschnittlich weniger als vier zahlende Gäste am Tag. Und selbst zusammen mit den Nichtzahlern steht die Gesamtbesucherzahl von 3.975 in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zu den Zuschüssen. Schließlich belastet das Museum den städtischen Haushalt mit rund 600.000 Euro im Jahr – trotz Zuweisungen des Landes in Höhe von 10.000 Euro und 2.500 Euro von Gemeinden und Gemeindeverbänden. Auch in den nächsten Jahren soll sich daran nichts ändern. Der Bürgermeister bestätigte auf Nachfrage des Bundes der Steuerzahler, dass die Stadt für das Jahr 2021 mit einer Belastung in Höhe von 614.940 Euro plant. Darin enthalten sind neben den Aufwendungen für das Kulturdenkmal auch die wissenschaftliche Aufbereitung der Stadtgeschichte und der Sammlung, die das Museum leistet.

Dabei war schon die 2007 abgeschlossene, umfassende Sanierung und Erweiterung von Schloss Fechenbach nicht gerade günstig: Unter dem Strich standen Aufwendungen von fast 8 Mio. Euro. Allein die Baukosten betrugen über 6,7 Mio. Euro, davon entfielen fast 2 Mio. Euro auf den Anbau eines Neubaus. Hinzu kamen mehr als 1,2 Mio. Euro für die Ausstattung. Den größten Teil dieser Investitionen trugen die Steuerzahler.

Nun ist es nicht so, dass der unbefriedigende Status quo einfach hingenommen wird. In der Stadt gibt es durchaus Bestrebungen, den Zuschuss aus öffentlichen Geldern zu verringern. So beschäftigt sich derzeit ein Workshop aus Politikern, interessierten Bürgern sowie Verwaltungsmitarbeitern mit Möglichkeiten, Geld einzusparen und die Besucherzahl zu steigern. Aus Sicht der Steuerzahler ist zu hoffen, dass der Zuschussbedarf nun endlich deutlich und nachhaltig gesenkt wird.

Der BdSt meint:
Die Stadt Dieburg muss umgehend Maßnahmen ergreifen, um den städtischen Zuschuss zu reduzieren. Dabei darf es keine Tabus geben und es müssen auch neue (Teil-)Nutzungen der Immobilie in Betracht gezogen werden.
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