Bund der Steuerzahler Hessen e.V. - Kinderbetreuung

Kinderbetreuung

Frage an die großen hessischen Parteien vor der Landtagswahl
Vom 1. August an ist der Kindergartenbesuch für die normalen Öffnungszeiten im Umfang von sechs Stunden täglich beitragsfrei. Zur Finanzierung wurden im Doppelhaushalt 2018/2019 Mittel in Höhe von 130 Millionen Euro für 2018 und 310 Millionen Euro für das Jahr 2019 bereitgestellt.

Frage des BdSt Hessen an die Parteien:
Wollen Sie in der nächsten Legislaturperiode weitere Reformschritte bei der Betreuung der unter 6-Jährigen vornehmen? Wenn ja, mit welchen konkreten Maßnahmen; wenn nein, warum nicht?

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU)
CDU

Seit dem 1. August 2018 ist in Hessen die Betreuung im Kindergarten für bis zu sechs Stunden am Tag beitragsfrei. Im Durchschnitt spart eine Familie damit rund 5.000 Euro pro Kind. Perspektivisch wollen wir die Eltern – mit Hilfe des Bundes und sofern es die wirtschaftliche Situation des Landes erlaubt – weiter entlasten, auch für Kinder unter drei Jahren.
Zusätzlich wurde schon massiv in die Qualität der Kinderbetreuung investiert. Die CDU will die besten Betreuungsangebote für unsere Kinder. Dabei stehen wir zur Wahlfreiheit der Eltern. Die Familien wissen am besten, was für ihre Kinder richtig ist.
Auch die Betreuung durch Tagesmütter und -väter ist uns sehr wichtig und wertvoll. Wir wollen Tageseltern stärken und die Betreuung durch Tageseltern im Sinne der Wahlfreiheit perspektivisch in gleicher Weise wie in Kindertagesstätten freistellen und die Eltern von Kosten entlasten.

SPD

SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel
Wir wollen, dass Bildung von Anfang an gebührenfrei ist. Deshalb enthält der von uns vorgelegte Gesetzentwurf eine Beitragsfreiheit vom 1. Lebensjahr an und zwar für alle Betreuungszeiten, also auch ganztags. Darüber hinaus ist uns eine Verbesserung der Qualität wichtig. In unserem Gesetzentwurf enthalten ist ein Zuschlag von 20% für die mittelbare pädagogische Arbeit (Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche etc.) und ein Zuschlag für die Leitungstätigkeit. Außerdem wollen wir den Zuschlag für Ausfallzeiten (Urlaub, Krankheit, Fortbildung) auf ein realistisches Maß von 20% anheben. Damit verbessern wir nicht nur die Qualität der frühen Bildung, sondern erreichen auch verbesserte Arbeitsbedingungen, was dem Fachkräftemangel entgegen wirkt.
Bei der Finanzierung der frühen Bildung muss sich das Land stärker engagieren. Wir wollen in einem Stufenplan den Landesanteil auf 2/3 der Betriebskosten anheben. Um dies unbürokratisch zu gestalten, werden wir in Regierungsverantwortung dafür sorgen, dass das Land 82,5% der Kosten des pädagogischen Personals übernimmt, was in etwa 2/3 der Betriebskosten entspricht. Mit diesem Finanzierungsmodell werden die komplizierten und aufwändigen Berechnungen nach Kifög abgeschafft, was die Kitas von viel bürokratischem Aufwand entlastet.


Bündnis 90/Die Grünen

Grüne-Spitzenkandidaten Staatsministerin Priska Hinz und Staatsminister Tarek Al-Wazir
Wir GRÜNE halten an unserem Dreiklang „Ausbau der Plätze, Verbesserung der Qualität und Beitragsfreiheit“ für die Kinderbetreuung fest. Wir wollen den Ausbau der Betreuungsplätze weiterhin finanziell unterstützen und weiter in die Qualität der Betreuungseinrichtungen investieren. Dafür sind die Höhe der Qualitätspauschale, das Betreuungsverhältnis von Fachkraft pro Kind und die Gruppengröße ausschlaggebend. Gemeinsam mit den Akteuren der Kinderbetreuung wollen wir hier ansetzen, damit alle Kinder einen guten Betreuungsplatz finden. Außerdem wollen wir den Fachkräften mehr Zeit für Vernetzungs- und Konzeptionsarbeit geben, sowie ausreichende Möglichkeiten, sich kontinuierlich weiter zu qualifizieren. Auch in die Ausbildung der Erzieher*innen wollen wir investieren. Der Besuch einer Krippe oder einer Kita soll für niemanden am Geldbeutel scheitern, daher wollen wir die Beitragsfreiheit weiter ausbauen.

Die Linke

Linke-Spitzenkandidaten Janine Wissler und Jan Schalauske
Leider herrscht in Hessen noch immer ein Mangel an Kita-Plätzen, der dringend behoben werden muss. Auch fallen weiterhin Gebühren an, die in einigen Städten bis zu 700 Euro monatlich betragen können. Die gebührenfreie Betreuung von sechs Stunden greift viel zu kurz und geht zudem auch noch zulasten der Kommunen, die auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben.
Gute Kitas brauchen gut ausgebildetes und gut bezahltes Personal. Kinder und Erzieher*innen sind hohen Belastungen durch zu große Gruppen ausgesetzt. Die Fachkräfte werden, gemessen an ihrer Verantwortung, nicht ausreichend bezahlt.
Wir wollen eine vollständige Abschaffung der Kita-Gebühren und mehr Kita-Plätze schaffen, um jedem Kind einen Betreuungsplatz garantieren zu können. Wir wollen zudem mehr Erzieherinnen und Erzieher ausbilden und diesen Beruf attraktiver machen. Dazu gehören neben einer landesweit einheitlichen Tarifregelung eine breite Ausbildungsoffensive und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. DIE LINKE fordert bundesweit einen einheitlichen Betreuungsschlüssel von mindestens einer anwesenden Erzieherin oder Erzieher zu maximal drei Kindern im Alter bis drei Jahren oder zu maximal acht Kindern ab drei Jahren.

FDP

FDP-Spitzenkandidat René Rock
Ja, denn wir Freie Demokraten sind der Überzeugung, dass die Kinder von Beginn an beste Startchancen erhalten sollen. Deshalb sehen wir die Notwendigkeit, in den Bereich der beziehungsvollen Betreuung und frühkindlichen Bildung der Kinder unter 6 Jahren vorrangig zu investieren. Hier werden die Grundlagen für ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Leben gelegt und deshalb müssen bedarfsgerecht und qualitativ hochwertige Angebote zur Verfügung stehen. Deshalb möchten wir sowohl den quantitativen als auch qualitativen Ausbau fortführen. Eltern sollen die Entscheidung treffen können, wo und in welchem Umfang sie ihr Kind betreut und gefördert lassen möchten. Dies erfordert zusätzliches qualifiziertes Personal in den Einrichtungen und eine Veränderung der Rahmenbedingungen beispielsweise durch die Veränderung des Betreuungsschlüssels, die Anerkennung von Leitungsaufgaben und der mittelbaren pädagogischen Arbeit (z.B. Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche, Dokumentationsaufgaben oder die Entwicklung von speziellen pädagogischen Angeboten und Fördermaßnahmen). Wir kritisieren vor diesem Hintergrund auch die teilweise Gebührenfreistellung der Kindergartenzeit durch die schwarz-grüne Koalition, da die finanziellen Mittel zunächst einmal in die Einrichtungen fließen sollten, um die Ziele einer Qualitätsverbesserung im Sinne der Kinder zu erreichen.

AfD

AfD-Spitzenkandidat Dr. Dr. Rainer Rahn
Die Familienpolitik und die Sicherung der Entwicklungschancen des Nachwuchses ist der AfD ein Anliegen von hoher Priorität. Deshalb will sich die AfD für bessere Betreuungsschlüssel und eine verbesserte Qualifikation der Betreuer einsetzen.










Freie Wähler-Spitzenkandidat Engin Eroglu
Freie Wähler

FREIE WÄHLER spricht sich für eine gänzliche Gebührenbefreiung im Bildungssystem aus. Gerade im Bereich der frühkindlichen Bildung gilt es zudem, notwendige Reformmaßnahmen schnellstmöglich umzusetzen, um Bildungsgerechtigkeit von Anfang an sicherzustellen. Für Bildungsgerechtigkeit von Anfang an muss eine Kita-Pflicht ab dem 4. Lebensjahr verbindlich eingeführt werden. Durch die Schaffung eines festen zeitlichen Rahmens von 8 bis 12 Uhr wird allen Kindern die Teilnahme an einem festen Kerncurriculum ermöglicht, wodurch einheitliche Elemente der frühkindlichen Bildung vermittelt werden können. Ein reines Betreuungsangebot im Sinne einer Beaufsichtigung lehnen wir ab. Durch einen solch standardisierten Bildungsplan für Kinder ab dem 4. Lebensjahr bei gleichzeitigem Pflichtbesuch in den letzten beiden Jahren vor Schuleintritt wird eine verbindliche Bildungsqualität erreicht, die einen erfolgreichen und nahtlosen Übergang von der Kita in die Grundschule garantiert. Hierfür muss
der hessische Bildungs- und Erziehungsplan eine grundlegende Überarbeitung erfahren und verbessert werden. Frühkindliche Bildung wirkt sich nachhaltig positiv auf die zukünftigen Bildungs- und Lernprozesse unserer Kinder aus und trägt maßgeblich dazu bei, Chancengleichheit zu schaffen. In den ersten Lebensjahren bis zum Grundschuleintritt wird die Basis für die Entwicklungs- und Bildungschancen gelegt. Die Frühkindliche
Bildung, bestehend aus Bildung, Erziehung und Betreuung, muss in den Fokus gerückt werden, da sie den Ausgangspunkt eines jeden Kindes im Bildungssystem darstellt. Daher ist ein einheitlicher und verbindlicher Bildungs- und Erziehungs-plan (BEP) für Kinder von 0 bis 10 Jahren dringend notwendig. Frühkindliche Bildung kann nur von gut ausgebildeten pädagogischen Fachkräften geleistet werden. Daher müssen Leitungen und Führungspersonal von Krippeneinrichtungen für Kinder von 0 bis 3 Jahren und Kindertagesstätten für Kinder von 3 bis 6 Jahren zukünftig ausschließlich mit qualifiziertem Fachpersonal besetzt werden.

Elementarpädagog*innen sowie Sozialpädagog*innen mit Hochschulstudium haben gemeinsam mit Erzieher*innen die größtmögliche Fachexpertise, um den gestellten Anforderungen von Bildung, Erziehung und Betreuung vor Ort fachlich gerecht werden zu können. Durch Einbeziehung akademischer Bildungsberufe werden Erzieher*innen in ihrer eigentlichen Arbeit, der Kinderbetreuung, deutlich entlastet. Zugleich werden die zentralen und relevanten Aspekte frühkindlicher Bildung von eigens hierfür ausgebildeten Fachkräften vermittelt, die zudem auch die administrative Leitung der Einrichtungen übernehmen. Auch der zusätzliche Einsatz von Ergänzungsfachkräften – beispielsweise Kinderpfleger*innen, Sozialassistent*innen, Umwelt und Bewegungspädagog*innen sowie Ernährungsberater*innen – soll künftig für eine zusätzliche Unterstützungder Erzieher*innen sorgen. Dadurch kann auch die frühkindliche Bildung in verschiedenen Schwerpunkten professionalisiert werden. Beispielhaft sei hier auf die Ernährungslehre sowie die noch immer fehlende Kooperation von Kindertageseinrichtungen und Sportvereinen verwiesen. Die staatlich geprüfte Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher muss ergänzend hierzu künftig einen eigenen Schwerpunkt „frühkindliche Bildung“ erhalten. Dies garantiert, dass Erzieher*innen, die im Bereich der Elementarpädagogik (Krippe und Kita) arbeiten, während der Ausbildung den Schwerpunkt „frühkindliche Bildung“ absolviert haben und somit die bestmögliche Qualifikation für Bildung, Erziehung und Betreuung der Kleinsten haben. Gruppenleitungen in den Krippen und Kitas sollen künftig ausschließlich ausgebildete Erzieher*innen mit dem Schwerpunkt „frühkindliche Bildung“ übernehmen können. Diese können sich dadurch ihrer genuinen Aufgabe, der Arbeit mit den Kindern, widmen.








Bildquellen:
Volker Bouffier, CDU (Foto: CDU Hessen, Tobias Koch)
Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD (Foto: SPD Hessen, Susie Knoll)
Priska Hinz, Bündnis 90/Die Grünen (Foto: Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - S. Feige)
Tarek Al-Wazir, Bündnis 90/Die Grünen (Foto: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung)
Janine Wissler und Jan Schalauske, DIE LINKE (Fotos: DIE LINKE. Fraktion im Hessischen Landtag)
René Rock, FDP (Foto: FDP Hessen)
Dr. Dr. Rainer Rahn, AfD (Foto: AfD Hessen)
Engin Eroglu (Foto: Freie Wähler Hessen)
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