Bund der Steuerzahler Hessen e.V. - Rote Zahlen durch „Grüne Zimmer“

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06.11.2018

Rote Zahlen durch „Grüne Zimmer“

Die Stadt Frankfurt am Main hat in sieben Mini-Grünanlagen investiert, um Hitze und Klimawandel etwas entgegenzusetzen. Der Nutzen der nur wenige Quadratmeter großen, mobilen Schattenspender steht in keinem Verhältnis zu den Anschaffungskosten von insgesamt rund 460.000 Euro. Eigentlich müsste die Mainmetropole dringend sparen.

Frankfurt am Main. Nicht nur im Hitze-Sommer 2018 haben sich wohl viele Stadtbesucher über ein schattiges Plätzchen gefreut. Die Stadt Frankfurt am Main – für ihre vielen Hochhäuser und versiegelten Flächen bekannt – wollte der Wärme mit einer besonderen Idee entgegenwirken und stellte auf verschiedenen Plätzen sogenannte Grüne Zimmer auf. Dabei handelt es sich um eine Sitzgelegenheit, die aus einer freistehenden Grünwand und einem darüber angeordneten Spalierdach besteht. Die Stahlkonstruktion ist rund zehn Tonnen schwer und unter anderem mit Lavendel, Erdbeeren, Kiwi, Gräsern, verschiedenen Stauden und Wein bepflanzt. Die 2,40 m breiten, 4,80 m langen und 2,70 m hohen „Grünen Zimmer“ sind mobil einsetzbar und besitzen ein eigenes Bewässerungsreservoir. Das Projekt soll die Bürger unter anderem für Anpassungsmaßnahmen an die Folgen des Klimawandels sensibilisieren.

Schon im Jahr 2016 war das erste „Zimmer“ in Frankfurt zu Gast, damals als Teil eines EU-Projekts. Im darauf folgenden Jahr entschied sich die Stadt, vier Objekte anzuschaffen, drei weitere folgten 2018. Doch bei den sieben „Grünen Zimmern“ handelt es sich um sehr teure Schattenspender: Die Anschaffungskosten lagen bei insgesamt rund 460.000 Euro, im Schnitt also mehr als 65.000 Euro pro Stück. Hinzu kommen jährlich 1.800 Euro pro „Zimmer“ für den Unterhalt. Schließlich muss das Bewässerungsreservoir regelmäßig kontrolliert, die Pflanzen gepflegt und auch die Sitzgelegenheiten sauber gehalten werden. Dabei sind die „Grünen Zimmer“ nicht als Dauerlösung gedacht. Sie sollen laut Stadt nur temporär dort Abhilfe schaffen, wo in den vergangenen Jahren Plätze entstanden sind, die einen Aufenthalt bei Hitzetagen unerträglich machen. Im Winter werden die Konstruktionen eingelagert. Die Pflanzen werden zurückgeschnitten und das „Zimmer“ mit neuen Gewächsen bestückt.

Über die Sinnhaftigkeit der Installationen und deren direkte Auswirkungen auf das Klima lässt sich sicherlich streiten. Klar ist jedoch, dass sich Frankfurt solche freiwilligen Aufgaben eigentlich nicht leisten kann. Zwar gilt die „Stadt des Geldes“ gemeinhin als reich und verzeichnet hohe Einnahmen. Dennoch klafft im Haushalt 2018 ein Defizit in dreistelliger Millionenhöhe. Für die Folgejahre sieht es nur wenig besser aus. Der Stadtkämmerer hat deshalb die Devise ausgegeben, dass alle Ressorts sparen müssen. Das gilt auch für das Umweltdezernat. Doch das hat nicht einmal die Möglichkeit genutzt, Sponsoren für die „Grünen Zimmer“ zu gewinnen, um so die Kosten wenigstens etwas zu senken. Eigentlich bieten die Konstruktionen nämlich auch Flächen zur individuellen Beschriftung, die für Werbezwecke genutzt werden könnten. Doch das sah man offensichtlich nicht als nötig an.

Der Bund der Steuerzahler meint
Frankfurt hätte auf die „Grünen Zimmer“ verzichten sollen. Anstatt kleinteilige PR-Maßnahmen mit mikroskopischer Wirkung zu finanzieren, sollten sich Städte lieber überlegen, wie sie der Hitze und den Folgen des Klimawandels wirksam begegnen wollen.

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