Bund der Steuerzahler Hessen e.V. - Von Natur aus wenig aussichtsreich

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06.11.2018

Von Natur aus wenig aussichtsreich

Weil das südhessische Naturschutzgebiet Weschnitzinsel nicht betreten werden darf, errichtete das Land für Netto-Baukosten von 43.000 Euro eine großzügige Beobachtungsplattform. Diese ist jedoch nur unwesentlich höher als die davorliegende Dammkrone und ermöglicht Besuchern so nur wenig Einblick in das Areal. Doch das ist nicht ihr einziges Manko.

Hessen. Zwischen Heppenheim und Lorsch im südhessischen Landkreis Bergstraße liegt das 80 ha große Naturschutzgebiet Weschnitzinsel. Dort finden viele seltene Tiere, vor allem Vögel wie der Kiebitz, der Rotschenkel oder die Sumpfohreule, ein Rückzugsgebiet. Für die Renaturierung des Areals hat das hessische Umweltministerium rund 3,5 Mio. Euro ausgegeben. Dabei wurden die beiden Arme der Weschnitz, ein Nebenfluss des Rheins, auf einer Länge von 2,8 km wieder zusammengeführt. Das Renaturierungsprojekt wurde 2018 fertiggestellt und ist seitdem für die Öffentlichkeit gesperrt.

Damit Besucher aber zumindest von außen Vögel auf der Weschnitzinsel beobachten können, wurde auf der Heppenheimer Seite eine überwiegend aus Holz und Metall bestehende Beobachtungsplattform gebaut. Die Netto-Baukosten lagen bei 43.000 Euro. Diese trug das Land Hessen, weil die Plattform Teil des Weschnitzinsel-Projekts ist.

Wie viele Besucher diese Einrichtung jedoch wirklich nutzen, ist fraglich. Der Bund der Steuerzahler Hessen hat sich vor Ort selbst ein Bild gemacht. Die Anreise war nicht einfach, denn die Plattform ist als Ortsfremder nur schlecht zu finden. Endlich angekommen, fiel sofort der geringe Höhenunterschied des Beobachtungsstands zur Dammkrone auf: Der Beobachtungspunkt liegt lediglich 81 cm höher als der davorliegende Damm. Zum Verweilen lädt die Plattform auch nicht ein, denn Sitzgelegenheiten sucht man vergeblich. Insgesamt erscheint die Größe völlig überdimensioniert. Schließlich sind große Besuchergruppen laut Umweltministerium und örtlichem Naturschutzbund ohnehin nicht erwünscht. Aus deren Sicht soll die Plattform der stillen Beobachtung der im Gebiet auftretenden Vögel dienen, ohne sie dabei zu stören.

Ornithologen mögen sich zwar über den windgeschützten Standort freuen, die Mehrheit der Steuerzahler wird diese Plattform jedoch als unpassend und daher überflüssig empfinden. Wenn schon eine Plattform, dann sollte sie höher und kompakter sein, sodass sie einen Mehrwert für die Besucher darstellt.

Eine weit bessere Lösung existiert auf der gegenüberliegenden Lorscher Seite. Der dortige Hans-Ludwig-Turm hat eine Stehhöhe von 5,80 m über dem Gelände. Von dort haben Besucher sicherlich einen weit besseren Blick auf die Weschnitzinsel.

Der Bund der Steuerzahler meint
Die Beobachtungsplattform ist gut gemeint, aber schlecht ausgeführt. Das Land Hessen hätte auf diese Konstruktion verzichten oder sie zumindest in einer anderen Art und Weise bauen sollen.
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