Bund der Steuerzahler Hessen e.V. - Von der Info- zur Problem-Stele


06.11.2018

Von der Info- zur Problem-Stele

Die Anschaffung von drei teuren und wenig genutzten Info-Stelen in Limburg hatte der BdSt schon im Schwarzbuch 2015 kritisiert. Dabei wurden insbesondere die Probleme der Mischfinanzierung und die Folgekosten hervorgehoben. Leider zu Recht, wie der mühsame Versuch der Abwicklung des Projekts zeigt.

Limburg. Die drei ab 2012 in Limburg aufgestellten Info-Stelen aus rostigem Cortenstahl verursachten Anschaffungskosten von insgesamt rund 350.000 Euro, mitfinanziert durch das Land Hessen. Doch Bevölkerung und Touristen nutzten die in die Säulen integrierten elektronischen Informationstafeln kaum. Da die geringen Nutzerzahlen in keinem Verhältnis zu den Kosten standen, verzichtete die Stadt 2015 immerhin auf die Anschaffung einer ursprünglich geplanten vierten Info-Stele.

Inzwischen räumt Limburg ein, dass die Technik mit Touchbildschirmen „quasi schon beim Aufstellen überholt“ gewesen sei, da man mit Smartphone über das Internet „ein Vielfaches an Informationen“ über Limburg erhalten könne. Auch wenn die Stelen mit ihrer Technik „nie richtig in Mode“ gewesen seien, hätten sie in den Jahren 2016 und 2017 noch einmal massiv an Attraktivität eingebüßt. Das belegt die Entwicklung der ohnehin niedrigen Nutzerzahlen. Während 2015 an den drei Stelen insgesamt noch 65 bis 80 Nutzer täglich gezählt wurden, waren es im Jahr 2017 nur noch insgesamt 1.137 Einzelnutzer, also im Durchschnitt etwa ein Nutzer pro Stele und Tag. Die Stadt führt dies weniger auf die gelegentlichen technischen Ausfälle zurück, sondern macht in erster Linie das System und das begrenzte Informationsangebot verantwortlich.

Kein Wunder, dass man in Limburg intensiv über Schadensbegrenzung nachdenkt. Pro Stele fielen ursprünglich rund 4.500 Euro jährlich an Wartungs- und Energiekosten an. Um diese Kosten zu reduzieren, wurden die auslaufenden Wartungsverträge für die ersten beiden Stelen nicht verlängert. Der Magistrat wurde darüber hinaus beauftragt zu klären, inwieweit ein Abriss der Stelen oder die Umnutzung als Kunstobjekt ohne finanzielle Nachteile möglich wäre. Da die technische Ausstattung der Stelen vom Land Hessen mit 58.307 Euro gefördert worden war, droht je nach Folgenutzung die Rückzahlung eines Teils oder gar der gesamten Fördersumme. Doch damit nicht genug: Da Urheberschutz für die Stelen besteht, muss sich die Stadt mit drei Beteiligten über das weitere Vorgehen einigen.

Für die zuletzt aufgestellte Stele gibt es immerhin eine neue Verwendung. Eine berufliche Schule hat gemeinsam mit ihrer polnischen Partnerschule ein „Monument of Friendship“ geschaffen, das neben der Stele steht und ebenfalls aus Cortenstahl hergestellt ist. Eine Seite der Stele mit Bildschirm soll dazu genutzt werden, über das Projekt und seine Entstehungsgeschichte zu informieren, die Rückseite präsentiert nach wie vor das Programm der Stadthalle. Über die künftige Verwendung der anderen beiden Stelen gab es Mitte August noch keine Entscheidung. Angedacht ist unter anderem, mit den beruflichen Schulen in Limburg Lösungen zu erarbeiten.

Der Bund der Steuerzahler meint:
Wenn man ein Info-System installiert, das schon beim Aufstellen überholt ist, ist dies eine klare Fehlplanung. Die Beteiligung mehrerer Entscheidungsträger und Geldgeber macht die Suche nach Alternativszenarien im Fall des Misserfolgs eines Projekts extrem schwierig.

Video zum Fall:

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