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Havarie für die Steuerzahler

Die Fähre über den Main zwischen Maintal und Mühlheim musste 2017 wegen Problemen mit dem damaligen Betreiber stillgelegt werden. Obwohl es wenige Kilometer weiter eine privat betriebene Alternative gibt und es zunächst ohne die stillgelegte Fähre ging, hielt der Landkreis Offenbach an ihr fest – und musste erneut die Segel streichen.

Landkreis Offenbach. Die Fährstelle am Main zwischen Maintal-Dörnigheim und Mühlheim existiert seit 1902 und ist damit eine sehr traditionsreiche Institution im verkehrsreichen Rhein-Main-Gebiet. Auch das zuletzt eingesetzte Fährschiff hat schon etliche Jahre auf dem Buckel: Es wurde 1963 gebaut und war seit 1971 auf dieser Strecke im Einsatz. Eigentümer ist der Landkreis Offenbach. 2017 musste der Kreis die Fähre stilllegen. Dem Pächter wurde fristlos gekündigt – wegen Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften. Pendler konnten den Main aber weiterhin – wenn auch über Umwege – passieren: Entweder über Brücken oder mit einer anderen Fähre, die zwischen Maintal und dem Offenbacher Stadtteil Rumpenheim verkehrt, keine 5 km von der stillgelegten Fähre entfernt. Dieses Schiff wird privat betrieben und muss ohne öffentliche Zuschüsse auskommen. Und das gelingt offensichtlich seit vielen Jahren.

Trotz der bestehenden Alternativen hielt die öffentliche Hand – der Landkreis Offenbach, der Main-Kinzig-Kreis, die Stadt Maintal und die Stadtwerke Mühlheim am Main – am Betrieb der Fähre fest. Deshalb wurden das Fährschiff und die Seilanlage auf Kosten der Steuerzahler instandgesetzt und der Betrieb neu ausgeschrieben.

Kurz vor der Wiederinbetriebnahme zählte der Kreis Offenbach in einer Presseinformation detailliert auf, wie teuer der Neustart des Fährbetriebs war: „Insgesamt wurden rund 90.000 Euro in das Schiff und die dazugehörige Hochseilanlage investiert, um die Wiederaufnahme des Fährbetriebes zu ermöglichen. Davon hat der Main-Kinzig-Kreis 25.000 Euro übernommen. Hinzu kommen noch rund 20.000 Euro für technische Beratung und Baustellenmanagement, das der Kreis Offenbach extern eingekauft hat. Außerdem noch rund 5.000 Euro für die Aufsicht der Fähre seit Stilllegung und rund 2.000 Euro für Versicherungen.“ Die Gesamtkosten von 2017 bis 2019 lagen also bei 117.000 Euro. Der neue Pächter erhielt vertraglich umfangreiche Zusagen, nämlich über einen von Maintal und Mühlheim jeweils hälftig zu tragenden Betriebskostenzuschuss sowie ein Budget zur Abrechnung von Instandsetzungsarbeiten.

Im Juli 2019 war es dann so weit: Die Fähre konnte wieder ihren Betrieb aufnehmen. Aber nur für 4 Stunden. Durch den Riss eines Seils wurde die Fähre manövrierunfähig, musste gesichert und geborgen werden. In der anschließenden öffentlichen Diskussion wurde deutlich, dass der Betreiber nicht über ausreichend Personal mit Patent für die Fährschifffahrt verfügt. Schließlich wurde der Vertrag mit ihm gekündigt und das Vertragsverhältnis mit einem Vergleich beendet. Damit war das Thema Mainfähre aber noch nicht erledigt.

Der Landkreis Offenbach schrieb den Betrieb erneut aus, konnte aber keinen geeigneten Betreiber finden. Vor allem der Engpass an ausgebildetem Fährpersonal war ein Problem. Dennoch wurde geprüft, ob der Betrieb durch eine kommunale Gesellschaft übernommen werden könnte. Ein Businessplan ergab jedoch, dass selbst bei optimistischen Annahmen mit einem jährlichen Defizit von mehr als 180.000 Euro zu rechnen ist. Daraufhin zog der Landkreis Offenbach endlich die Reißleine und beschloss das Aus für die Fähre. Jetzt soll das Fährschiff verkauft oder „verwertet“ werden.

Nur wenige Kilometer flussabwärts setzt die private Fähre zwischen Maintal und Rumpenheim weiterhin täglich Pendler über den Main – ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert:

Der Landkreis Offenbach hätte bereits 2017 die Schotten dichtmachen müssen, statt an einer eigenen Fähre festzuhalten und sie mit öffentlichen Mitteln teuer instand zu setzen. Zumindest hätte vor diesen Investitionen sorgfältig geprüft werden müssen, ob überhaupt geeignete Betreiber zu finden sind oder ein Betrieb in kommunaler Regie zu vertretbaren Kosten möglich ist.

Video zum Fall:

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