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Naturdenkmal fiel aus (seinem) Rahmen

Im Schwarzbuch 2017/18 kritisierte der Bund der Steuerzahler eine künstlerische Rahmenkonstruktion, die für einen hohen fünfstelligen Betrag um eine 400 Jahre alte Gerichtslinde gebaut worden war. Schon damals war dieser Baum, ein Naturdenkmal, auf einem Feld bei Oberursel seit langer Zeit krank und fast nur noch auf den Stamm reduziert. Keine zwei Jahre später ging die Linde den Weg alles Irdischen − und fiel um.

Oberursel. Der Aufschrei war groß, als der Bund der Steuerzahler im Herbst 2017 das Regionalparkprojekt „Lindenbäumchen“ ins Schwarzbuch aufnahm. Der Oberurseler Bürgermeister bezeichnete die Kritik laut Frankfurter Rundschau als „aberwitzig“ und „an den Haaren herbeigezogen“. Fakt ist: Der BdSt hatte hinterfragt, ob es sinnvoll ist, fast 70.000 Euro öffentlicher Mitteln dafür zu verwenden, mitten im Niemandsland zwischen Oberursel und Bad Homburg einen sterbenden Baum mit einem Kunstprojekt in den Blickpunkt zu rücken.

Zur Gestaltung des Raums rund um die ehemalige Gerichtslinde wurde zunächst ein Künstlerwettbewerb veranstaltet. Realisiert wurde schließlich der Entwurf eines weißen, kubischen Rahmens, der die Anmutung einer Vitrine hat. Teil des Gesamtprojekts waren auch die von 2017 bis 2019 mehrmals im Jahr stattfindenden Lesungen unter dem Titel „Der Baum denkt“.

Keine zwei Jahre nach Fertigstellung des Kunstwerks ist die Linde nun umgestürzt und liegt in ihrem Rahmen. Der Grund ist laut städtischer Pressemitteilung ein statisches Ungleichgewicht, denn der Stamm sei seit längerem – durch Trockenheit und Pilzbefall – teilweise hohl. Wirklich überraschend kam das Umfallen des Baumes also nicht, der sehr schlechte Zustand der Linde war schließlich seit vielen Jahren bekannt. Es bleibt die Frage, warum vor dem Bau des Rahmens nicht ausreichend geprüft wurde, ob die Linde denn auch dauerhaft standhaft ist.

Was bleibt, sind die die hohen Kosten des Kunstprojekts. Zwar steht der Rahmen selbstverständlich noch, aber das Motiv eben nicht mehr. Für die einstigen Initiatoren des Projekts, die Regionalpark Taunushang GmbH und einen örtlichen Förderverein, ist es offenbar kein Problem, dass der Baum nun umgekippt ist, denn das „Naturdenkmal Lindenbaum (…) [weist] auf einen historischen Ort mit vielen Geschichten hin und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert − auch dass der Baum jetzt nicht mehr senkrecht steht, sondern liegt, ist Teil seiner Geschichte und ein Merkmal stetiger Veränderung der Natur“.

Nach Angaben der Stadt soll das umgefallene Naturdenkmal erst einmal liegenbleiben. Gleichzeitig sollen mehrere Stecklinge gezogen werden. Mit diesen will man in ein paar Jahren eine genetisch identische Linde pflanzen.

Der Bund der Steuerzahler meint:

Wenn ein Projekt scheitert, sollte man dies auch eingestehen und umfassend aufklären. Doch stattdessen spricht die Stadt Oberursel nur beschönigend davon, dass das Lindenbäumchen seine Perspektive verändert habe.

Video zum Fall:

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