Bitte geben Sie den Suchbegriff in die Suchbox ein und drücken Sie anschließend ENTER

Schönen Urlaub auf Hafen-Balkonien!

Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen ist „Urlaub auf Balkonien“ 2020 so beliebt wie nie. Als ob Hanau es geahnt hätte: Bereits Ende 2019 hatte die Stadt mit dem „Hafenbalkon“ eine luxuriöse Möglichkeit für die Ferien daheim geschaffen. Dumm nur, dass das rund 80.000 Euro teure Objekt fest auf der Erde installiert ist und so gar keine überragenden Ausblicke bietet.

Hanau. Die sogenannte Regionalparkroute der Regionalpark RheinMain GmbH ist schon seit Jahren ein zuverlässiger Lieferant von Schwarzbuch-Fällen. Die Gesellschaft, die unter anderem von 13 Kommunen und dem Land Hessen getragen wird, soll das Rhein-Main-Gebiet als Erholungs- und Erlebnisraum aufwerten. Dabei schießt man oft übers Ziel hinaus.

Der Hanauer „Hafenbalkon“, ein 4,80 mal 5,50 m großes Sitzobjekt am Mainufer im Stadtteil Steinheim ist wieder so ein bizarrer Fall. Dafür wurden insgesamt 80.650 Euro ausgegeben, von denen die Stadt Hanau 29 Prozent und die Dachgesellschaft Regionalpark Ballungsraum RheinMain GmbH 71 Prozent übernahm. Letztere erhält neben Drittmitteln des Flughafenbetreibers Fraport, einem öffentlichen Unternehmen, auch Geld vom Land Hessen.

Die überdimensionale Ruhebank aus Holz samt Plattform aus Cortenstahl ist aus Sicht der Stadt Hanau „mehr als eine schlichte Sitzgelegenheit (…), sondern zugleich Gestaltungsobjekt und Kunstwerk“. Laut Regionalpark-Projektbeschreibung soll sie „einen spannenden Ausblick auf den nördlichen, flussseitigen Teil des Hanauer Hafens mit dem alten Zollamtsgebäude und seiner großen Uhr“ bieten.

Über die Schönheit des Ausblicks lässt sich sicher streiten, denn natürlich gehört auch die vielfältige Industriekultur zum Rhein-Main-Gebiet. Doch hätte es dafür einen solch großen, rostigen Koloss gebraucht? Zweifel sind angebracht, denn in unmittelbarer Umgebung befinden sich mehrere gewöhnliche Bänke, die man einfach nur näher ans Ufer hätte setzen müssen. Und selbst ein völlig neues Sitzmöbel hätte wohl kaum die finanziellen Dimensionen des „Hafenbalkons“ erreicht. Anders als der Name verspricht, bietet der „Hafenbalkon“ auch keinen besseren Blick als andere Sitzgelegenheiten, denn er ragt nicht über das Ufer hinaus, sondern ist fest auf der Erde installiert. Beim Anblick stellt sich die Frage, wofür es die gewöhnungsbedürftig rostigen Cortenstahlplatten vor der Sitzbank überhaupt noch braucht.

Bei der Stadt Hanau ist man dennoch mächtig stolz auf das Objekt, das „das ohnehin reizvolle Mainufer noch ein Stück attraktiver“ machen soll. Die Begründung des zuständigen Stadtrats macht jedoch stutzig, ob ein Urlaub auf „Hafenbalkonien“ wirklich so erholsam ist: Schließlich habe man von dort neben den im Hafen ab- oder zuladenden Frachtschiffen sowie auf dem Main passierenden Fluss-Kreuzfahrtschiffen auch die Steinheimer Brücke mit ihrem ständigen Bahn- und Straßenverkehr sowie den regen Flugverkehr am Himmel im Blick (und Ohr, möchte man anfügen). Sicher stellen sich viele der besonders von (Flug-)Lärm und Hektik geplagten Bewohner des dicht besiedelten Verkehrsknotenpunkts Rhein-Main Erholung anders vor. Bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis des „Hafenbalkons“ ist das Motto des Corona-Jahrs 2020 „Wir bleiben zu Hause“ definitiv naheliegender.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert:

Wieder einmal ist ein Regionalpark-Projekt im Rhein-Main-Gebiet unnötig aufwendig ausgefallen. Bescheidenere Lösungen wie einfache Sitzbänke hätten sich zu deutlich niedrigeren Kosten realisieren lassen.

Video zum Fall:

Weitere Meldungen