Steuerzahler müssen für absurde DFL-Auflage bluten

Weil es der Dachverband „Deutsche Fußball Liga“ so vorschreibt, wird das Stadion des Zweitliga-Aufsteigers SV Wehen Wiesbaden von rund 12.500 auf 15.000 Plätze aufgestockt. Doch dafür gibt es keinen Bedarf: Bislang kamen in der 3. Liga im Schnitt nur etwas mehr als 3.000 Zuschauer und selbst in der letzten Zweitligasaison vor zehn Jahren waren es lediglich knapp 8.000. Trotzdem beteiligt sich das Land Hessen mit 3,5 Mio. Euro an dem Sinnlos-Umbau.

Hessen. Als der SV Wehen Wiesbaden (SVWW) in der Saison 2018/19 den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga perfekt machte, war die Euphorie in der hessischen Landeshauptstadt überschaubar. Fast 12 Jahre nachdem die in eine GmbH ausgegliederte Profi-Fußballabteilung des SV Wehen 1926 – Taunusstein e.V. nach Wiesbaden umgezogen war, kamen trotz des erfolgreichen Saisonverlaufs im Durchschnitt lediglich 3.153 Zuschauer pro Begegnung in die bislang 12.566 Zuschauer fassende „Brita-Arena“.

Ungeachtet des für Drittligaverhältnisse deutlich unterdurchschnittlichen Zuspruchs (Liga-Gesamtschnitt 2018/19: 8.149) strebte der SVWW schon länger den Ausbau des privat betriebenen Stadions an, um im Aufstiegsfall den Auflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu genügen. Der Ligaverband, der für Organisation und Vermarktung der 1. und 2. Bundesliga zuständig ist, schreibt in seinen Statuten unter anderem ein Stadionfassungsvermögen von mindestens 15.000 Plätzen vor – egal, ob diese tatsächlich benötigt werden oder leer bleiben. Erfüllt ein Club diese Auflage mittelfristig nicht, kann ihm die DFL die Lizenz entziehen oder verweigern. Die Mannschaft darf dann nicht am Ligabetrieb teilnehmen, für den sie sich sportlich qualifiziert hat – es droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Ein solches Image- und Wirtschafts-Desaster will natürlich jeder vermeiden, indem man sich den DFL-Forderungen beugt. Deshalb begann in Wiesbaden im Frühjahr 2019 der Abriss alter Anlagen und der Neubau der gesamten Westtribüne sowie der Bau eines Gebäudes in der Nordwestecke der Arena. Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben des Clubs auf 8 bis 9 Mio. Euro, wobei man noch mit Preissteigerungen rechnet.

Die merkwürdige Auflage der DFL wäre an und für sich kein Problem für die Steuerzahler, denn der Betreiber der „Brita-Arena“ rühmt sich, dass das Stadion „privat finanziert“ worden sei. Aus Sicht des Bundes der Steuerzahler ist dies eigentlich vorbildlich, schließlich fließen ansonsten unverständlicherweise immer wieder erhebliche öffentliche Mittel für den Bau oder den Betrieb von Profisportanlagen mit kommerziellem Hintergrund – und dies deutschlandweit.

Doch mit dem Vorbildcharakter wird es nach dem Umbau vorbei sein, denn das Land Hessen beteiligt sich daran mit 3,5 Mio. Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm „Herausragende Sportanlagen“. Zwar mag die Summe im Vergleich zu anderen Stadien relativ bescheiden und der Griff nach Subventionen aus Club-Sicht legitim sein, nachvollziehbar für die Steuerzahler ist die Geschichte nicht. Schließlich rechtfertigt das zuständige Hessische Ministerium des Innern und für Sport den Landeszuschuss durch die Auflagen der DFL. Deren Sinnhaftigkeit angesichts eines sowieso schon nicht ausgelasteten Stadions hat man im Ministerium offensichtlich nicht hinterfragt und setzt stattdessen auf das Prinzip Hoffnung. So zeige „die Erfahrung aus einer Vielzahl von anderen Standorten, dass eine Verbesserung der Stadioninfrastruktur stets auch zu einer Steigerung der Besucherzahlen führt“.

Es darf bezweifelt werden, dass der SVWW seinen Zuschauerzuspruch mit neuer Tribüne verfünffacht – selbst in einer höheren Spielklasse. Als der Club in der Saison 2008/09 das letzte Mal in der 2. Bundesliga spielte, kamen bei ähnlich attraktiven Gegnern wie in der laufenden Spielzeit auch nur durchschnittlich 7.813 Fans in die damals relativ neue Arena. Ausgeblendet wird zudem, dass es mit einem sportlichen Höhenflug auch schnell wieder vorbei sein kann: Schmerzlich erlebt haben das die hessischen Rivalen Kickers Offenbach und FSV Frankfurt, die trotz erheblicher staatlicher Subventionen für die Stadien bis in die Viertklassigkeit abrutschten, wo es für viele Vereine ums wirtschaftliche Überleben geht. Der BdSt hatte auch dort immer wieder davor gewarnt, öffentliche Mittel zu investieren.

Für die Wiesbadener Steuerzahler gibt es immerhin einen Lichtblick: Während anderswo, wie selbstverständlich, auch Kommunen als Förderer oder Betreiber kommerziell genutzter Sportanlagen herhalten müssen, verzichtet die hessische Landeshauptstadt auf eine Beteiligung am Umbau der „Brita-Arena“. Nach Angaben des städtischen Pressereferats sei eine finanzielle Unterstützung zu keinem Zeitpunkt ein Thema in der Stadtverordnetenversammlung gewesen. Offenbar setzt man wenigstens dort die richtigen Prioritäten, wenn es um staatliche Aufgaben geht.

Der Bund der Steuerzahler fordert:

Die öffentliche Hand sollte sich aus der Finanzierung des Profisports mit kommerziellem Hintergrund heraushalten. Das gilt umso mehr, wenn es für eine Förderung gar keinen wirklichen Bedarf gibt. Die DFL darf sich nicht auf den Staat verlassen, sondern sollte ihre strengen Statuten überarbeiten und dauerhafte Ausnahmeregelungen für kleinere Vereine schaffen.

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