Teure Kreis-Operation misslingt

Um zusätzliche Patienten für die plastische und ästhetische Chirurgie zu gewinnen, investierten die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg in den Umbau eines Schlossflügels, um dort exklusive Räume für eine anspruchsvolle Klientel zu schaffen. Doch weil sich die Immobilie dafür als wenig tauglich erwies, wurde das Projekt erheblich zusam-mengestrichen. Die Baukosten haben sich dennoch verdoppelt.

Seeheim-Jugenheim. Um die Wirtschaftlichkeit der Kreiskliniken zu steigern, beschloss der Landkreis Darmstadt-Dieburg im Jahr 2014 die „strategische Weiterentwicklung der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie“. Der Businessplan ging davon aus, dass sich das neu zu gewinnende Klientel für kosmetische Eingriffe von kranken Patienten abgrenzen wolle und auf Hotelniveau untergebracht werden möchte. Als „Immobilie, die sich hierfür optimal anbieten würde“, betrachtete man den Ostflügel von Schloss Heiligenberg in Jugenheim. Schließlich liege er in ausreichender Nähe zur Kreisklinik und biete die Möglichkeit, Praxis- bzw. Ambulanzräume, einen OP-Saal und mehrere Hotelzimmer in einem ansprechenden Ambiente einzurichten. Die Investitionskosten für das Projekt sollten 1,5 Mio. Euro betragen und sich bereits nach drei Jahren amortisiert haben.

Wegen Schwierigkeiten bei der baulichen Umsetzung mussten die Pläne aber vollständig überholt werden. Ein neuer Businessplan stellte 2018 fest, dass die Einrichtung eines OP-Saals nicht realisierbar sei und stattdessen lediglich ein Eingriffsraum errichtet werden könne. Ebenso sollten die Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Schloss entfallen. Trotzdem verdoppelten sich die Baukosten auf 3,1 Mio. Euro. Der Landkreis führte dies auf nicht vorhersehbare Besonderheiten im denkmalgeschützten Bereich zurück. Inklusive der 228.000 Euro für medizinische Geräte sollten die Investitionskosten schließlich 3,38 Mio. Euro betragen.

Aufgrund der baulichen Änderungen, erheblichen Zeitverzögerungen und den deutlich höheren Baukosten rechnet der Landkreis jetzt mit einer Amortisation der Investitionen nach erst sieben bis neun Jahren. Doch Zweifel an den Prognosen sind wohl weiterhin angebracht, schließlich verzichtet man im Schloss auf einen OP-Saal und damit auch auf bestimmte lohnende Eingriffe, für die besondere Anforderungen gelten. Außerdem entfällt mit der klinikfernen Unterbringung ein wichtiger Anreiz für Privatpatienten. Von den einst hochtrabenden Plänen ist letztlich nur noch eine Schönheitspraxis übriggeblieben.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert:

Zwar ist weder der Betrieb einer Schönheitsklinik noch der Betrieb einer Schönheitspraxis die Aufgabe der öffentlichen Hand. Doch wenn der Staat derartiges plant, sollte er zumindest vorher die Umsetzbarkeit ausreichend prüfen.

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