Wohnnebenkostenvergleich
So teuer wohnt es sich in Hessens Städten mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern

Die Wahl des Wohnorts kann große Auswirkungen auf die Wohnnebenkosten haben – das zeigt eine aktuelle Analyse des BdSt Hessen. Auch in diesem Jahr wurden dazu die Daten der zwölf hessischen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ausgewertet. Danach liegen zwischen den Wohnnebenkosten in der günstigsten und der teuersten Stadt über 750 Euro.
In Fulda wohnt es sich am günstigsten
Die geringsten Nebenkosten müssen die Bürgerinnen und Bürger auch in diesem Jahr in Fulda tragen (1.447 Euro). Dort fällt auch die niedrigste Grundsteuer-Belastung an. Mit knapp 2.200 Euro Nebenkosten müssen die Bürgerinnen und Bürger in Darmstadt deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die südhessische Großstadt hat insbesondere bei den Gebühren für Niederschlagswasser die Rote Laterne.
Sechs Kostenfaktoren untersucht
Für das Ranking hat der BdSt Hessen die Belastung durch sechs verschiedene Wohnnebenkosten für einen Drei-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus mit 120 m² Wohnfläche und 500 m² Grundstück ermittelt, dazu einen jährlichen Verbrauch von 132 m³ an Trinkwasser, Niederschlag auf 150 m² versiegelte Fläche sowie Abfallgebühren für eine 120-Liter-Tonne mit 14- tägiger Leerung. Im Einzelnen geht es um die Wasserentgelte, die Abfall-, Schmutzwasser- und Niederschlagswassergebühren, die Grundsteuer sowie der Rundfunkbeitrag – dieser ist zwar bundesweit einheitlich, stellt aber einen zusätzlichen Kostenfaktor für nahezu jeden dar und wurde deshalb in die Liste aufgenommen.
Die Politik hat es in der Hand
Aus dem Vergleich lässt sich ablesen, welchen Einfluss die (Kommunal-)Politik auf die Wohn- und damit die Lebenshaltungskosten hat: Die Darmstädterinnen und Darmstädter müssen für eine vergleichbare Leistung 50 Prozent mehr als in Fulda zahlen, der Staat ist also ein wesentlicher Wohnkostentreiber. Vor dem Hintergrund, dass sich Wohnen in den vergangenen Jahren insbesondere in den Ballungsräumen stark verteuert hat, kann die Politik tatsächlich etwas tun. Durch eine maßvolle Belastung kann sie die Kosten in Grenzen halten oder aber umgekehrt auch steigende Wohnkosten noch weiter befeuern.
Grundsteuer bleibt größter Kostenblock
Die größte Differenz zwischen der höchsten und der niedrigsten Belastung gibt es auch in diesem Jahr bei der Grundsteuer mit rund 569 Euro pro Jahr. Durch das hessische Flächen-Faktor-Modell beträgt der Grundsteuermessbetrag für das Einfamilienhaus in einer Lage mit durchschnittlichen Bodenrichtwerten in allen Städten 62 Euro. Die Differenz ergibt sich also alleine aus dem Hebesatz. Den höchsten hat die Stadt Offenbach mit 1.230 Prozent, während in Fulda gerade einmal 313 Prozent aufgerufen werden. Daraus resultiert in Offenbach eine Belastung von über 762 Euro pro Jahr – fast viermal so viel wie in Fulda mit nur rund 194 Euro. Mit durchschnittlich etwa 468 Euro ist die Grundsteuer auch weiterhin der größte Kostenblock der ermittelten Wohnnebenkosten.

Abfallentsorgung unterschiedlich teuer
Auch wenn die Abfallgebühren mit durchschnittlich 286 Euro nur der viertgrößte Posten sind, sind hierbei jedoch die zweitgrößten Unterschiede zu verzeichnen. Während die Belastung in Bad Homburg mit über 473 Euro am höchsten ist, müssen die Gebührenzahlerinnen und -zahler in Gießen mit knapp 197 Euro am wenigsten berappen. Die Differenz zwischen den beiden Städten beträgt demnach mehr als 276 Euro, also fast das 2,5-fache.
Schmutzwasser geht in Kassel ins Geld
Ebenfalls mehr als das Doppelte betragen die Gebühren für Schmutzwasser in Kassel im Vergleich zu Frankfurt: Während in Kassel über 391 Euro anfallen, sind es in Frankfurt nur knapp 191 Euro. Daraus ergibt sich eine Differenz von fast 200 Euro pro Jahr. Mit durchschnittlich knapp 295 Euro stellen die Schmutzwassergebühren den drittgrößten Teil der Wohnnebenkosten dar.
Trinkwasser in Kurstadt am teuersten
Den zweitgrößten Batzen der Gesamtrechnung stellen die Trinkwassergebühren dar: Hier fallen im Schnitt jährlich über 468 Euro an. Die Gebühren setzen sich in allen zwölf Städten aus mindestens einer Grundgebühr und den Verbrauchswerten zusammen, auf beides fällt zudem die Mehrwertsteuer von 7 Prozent an. Auch bei dieser Gebühr liegt Bad Homburg mit über 540 Euro an der Spitze, während in Gießen mit 369 Euro am wenigsten anfällt – eine Differenz von fast 172 Euro oder 47 Prozent.
Niederschlagswasser ist kleinster Posten
Den geringsten Anteil an den kommunalpolitisch beeinflussbaren Wohnnebenkosten, aber auch die geringste Differenz, zeigt sich bei den Gebühren für Niederschlagswasser: Der höchste Wert fällt mit fast 170 Euro in Darmstadt an, in Frankfurt sind es lediglich 75 Euro. Daraus ergibt sich eine Differenz von rund 95 Euro und ein Durchschnitt pro Jahr von rund 119 Euro.
Kommunen haben Einfluss auf Kosten
Gerade die Grundsteuer als der größte Kostenfaktor mit den deutlichsten Unterschieden zwischen den Städten zeigt, dass die Kommunen einen nicht unerheblichen Einfluss haben. So muss Darmstadt einen Hebesatz von 1.181 Prozent beschließen, um den Haushalt noch einigermaßen ausgleichen zu können. Dagegen kann sich Fulda mit einem deutlich niedrigeren Hebesatz begnügen, leistet sich aber vielleicht auch nicht so umfangreiche Ausgaben.
Handlungsspielraum auch bei Gebühren
Auch bei den Gebühren gibt es Handlungsspielraum. Zwar sind die Kommunen verpflichtet, die Gebühren regelmäßig zu kalkulieren. Sie dürfen maximal kostendeckend erhoben werden, aber z. B. über eine kalkulatorische Verzinsung des Anlagevermögens kann dann doch auch der allgemeine Haushalt profitieren. Gerade bei der Festsetzung der kalkulatorischen Verzinsung gibt es erhebliche Unterschiede in den Kommunen. Generell ist die Kommunalpolitik gefordert, bei den Kosten für Wasser, Abwasser und Abfall genau hinzuschauen, um die Gebühren im Rahmen zu halten.
Download
- BdSt-Wohnnebenkosten-Vergleich: Ergebnisse 2025 für einen Drei-Personen-Haushalt im Einfamilienhaus
sowie einen Ein-Personen-Haushalt im Mehrfamilienhaus (PDF)
Weitere Informationen
Abweichung melden
Schreiben Sie uns!
Wie sieht es bei Ihnen vor Ort aus? Weicht Ihre Kommune vom Ziel der Aufkommensneutralität ab und steigert die Belastung für die Bürgerinnen und Bürger? Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung.
Hessenweiter Vergleich
Kommunalfinanzen
Der BdSt Hessen bereitet in jedem Jahr alle Steuersätze und die Bagatellsteuern der hessischen Städte und Gemeinden auf. So kann jeder auf einen Blick erkennen, wie sich die Belastung der Bürger und Betriebe in seiner Kommune darstellt.

Bundesweiter Vergleich
Kommunale Datenbank
Nur wer die Daten kennt, kann die Politik seiner Stadt verstehen – und mitreden, wenn es um künftige Hebesätze, Investitionen oder neue Abgaben geht. Deshalb hat der BdSt erneut bundesweite Kommunaldaten erhoben und ausgewertet – aus 197 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern.
Nebenkosten der Landeshauptstädte
Bundesweiter Vergleich
Der große Wohnnebenkostenvergleich des Bundes der Steuerzahler umfasst die Jahre 2016 bis 2024. Das neue BdSt-Ranking zeigt große Unterschiede bei den Landeshauptstädten.
Ihr Ansprechpartner

Jochen Kilp
ist Ansprechpartner für die Finanzpolitik der Kommunen sowie für kommunale Gebühren und Beiträge| 0611 99219-42 | |
| kilp(at)steuerzahler-hessen.de |


