Kassel. Im Zentrum von Deutschland liegt die Großstadt Kassel. Sie ist bekannt für die regelmäßig stattfindende Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die documenta, und das UNESCO-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe. Der Bergpark mit den Wasserspielen und dem Herkules-Monument ist heute ein sehr beliebtes Touristenziel. Im mehr als 200 Jahre alten Schloss Wilhelmshöhe verbrachten schon die Landgrafen und Kurfürsten von Hessen-Kassel ihre „Sommerfrische“. Später nutzten die beiden Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. das Schloss mit ihren Familien als Sommerresidenz.
Dackel Erdmann, der treue Begleiter Kaiser Wilhelms II., soll 1901 während eines Aufenthalts in Kassel gestorben und im Bergpark beerdigt worden sein. Ein kleines Grabdenkmal erinnert an den kaiserlichen Hund, dem auch in der Gegenwart noch viele huldigen: In Erinnerung an Erdmann findet noch heute jedes Jahr ein großer Dackelspaziergang im Bergpark statt.
Doch die Begeisterung für den schon lange verblichenen Vierbeiner geht noch weiter: Im Jahr 2020 erwarb die dem Land Hessen gehörende Museumslandschaft Hessen Kassel, die sich inzwischen Hessen Kassel Heritage (HKH) nennt, bei einer Auktion einen Mantel – mutmaßlich von Erdmann – für 4.500 Euro. Zweifelhaft ist jedoch nicht nur der stolze Preis dieses Dackelmantels, sondern auch seine Herkunft. Dass der Mantel wirklich dem Dackel des letzten deutschen Kaisers gehört hat, wird laut Presseberichten von Kunsthistorikern angezweifelt. Die für den Kauf verantwortliche HKH argumentiert, das historische Kleidungsstück stamme aus der „Sammlung der Markgrafen und Großherzöge von Baden“, somit könne eine fürstliche Herkunft bestätigt werden. Darüber hinaus gibt es jedoch keine Belege. Es existieren weder Fotos noch Schriftstücke, die dokumentieren, dass Dackel Erdmann den inzwischen im Kasseler Stadtmuseum ausgestellten Mantel wirklich getragen hat. Die HKH verweist darauf, dass sie zum Kaufzeitpunkt schnell handeln musste. Die Auktion sei kurzfristig an sie herangetragen worden, sodass man innerhalb weniger Tage entscheiden musste, ob sie mitbieten wollte. Deshalb sei auch keine Zeit für eine umfassende Archivrecherche geblieben.
Der Bund der Steuerzahler meint:
Kunst, Kultur und historische Gegenstände sollten bewahrt werden. Allerdings ist fraglich, ob dazu auch ein überteuerter Mantel eines Hundes gehört, zumal nicht einmal klar ist, ob Kaiser-Dackel Erdmann diesen Mantel jemals getragen hat. Darüber hinaus hat sich die verantwortliche Hessen Kassel Heritage beim Kauf offenbar zeitlich unter Druck setzen lassen. Mit Steuergeldern muss – auch unter Zeitdruck – sorgsam und verantwortungsvoll umgegangen werden.
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