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Kassel verschaukelt Stadtparkbesucher

In einer neu angelegten Grünanlage in Kassel können Besucher auf einer übergroßen Hollywoodschaukel den Blick auf eine Bundesstraße „genießen“. Ein Versehen war der Aufstellungsort aber leider nicht. Kosten für die Schaukel: 16.000 Euro.

Kassel. Wer genießt es nicht, dem Großstadtdschungel zu entkommen und sich im Grünen zu entspannen? Genau hierfür hat Hessens drittgrößte Stadt Kassel den Park Schönfeld in Richtung Osten erweitert. Der neu angelegte Park Schönfeld-Ost befindet sich auf der Fläche eines ehemaligen Kinderkrankenhauses. Das 25.000 Quadratmeter große Areal wurde bisher als Durchgangsfläche genutzt und hatte außer einem kleinen Aktivitätsbereich keine besonderen Nutzungsangebote oder Aufenthaltsqualität. Für die Neugestaltung des Parks Schönfeld-Ost fielen insgesamt Kosten in Höhe von 1,3 Mio. Euro an, gefördert zu rund zwei Dritteln durch den Bund und das Land Hessen im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“.

Seit der Eröffnung im Juni 2024 gibt es im Park Schönfeld-Ost neben einem Radweg einen Fußgänger-Loop, Sitzmöglichkeiten, einen Bewegungsparcours und Spielangebote. Außerdem wurde die Grünfläche mit Bäumen und Stauden bepflanzt. Bei einer Sache im Park fühlen sich viele Steuerzahlerinnen und Steuerzahler jedoch sprichwörtlich verschaukelt. In der Nähe des Autobahnzubringers, der Bundesstraße B3, schüttete die Stadt einen Hügel auf. Darauf wurde eine große Hollywoodschaukel aufgestellt. Die Kosten dafür lagen bei 16.000 Euro. Doch Entspannen im herkömmlichen Sinne mit Ruhe, Blick ins Grüne usw. kann man auf dieser Sitzgelegenheit leider nicht, denn die Schaukel ist nicht zum Park hin ausgerichtet, sondern zu der viel befahrenen Straße. Ein Versehen war das von Seiten der Stadt leider nicht. Die Ausrichtung hat sie absichtlich so gewählt: Kassel wollte den Blick über die B3 hinweg in die rund 600 Meter Luftlinie entfernte Fuldaaue ermöglichen. Vielleicht hat die Stadtverwaltung auch eine besondere Vorstellung davon, wie sich Stadtbewohner in einem Park ausruhen wollen. So heißt es in einer Antwort an den Bund der Steuerzahler: „[…] manche finden es lustig und winken den Autofahrern. Der Lärm wird selten thematisiert. Wer in einer Stadt lebt, hat sich vielleicht an den Anblick und die Geräuschkulisse von Verkehr gewöhnt.“

Und somit bleibt die Hollywoodschaukel, wie sie ist: Eine eventuelle Drehung der Konstruktion steht nicht zur Diskussion. Wer also gern Autos beobachtet, Lärm und Abgase genießt, findet auf der Hollywoodschaukel im Park Schönfeld-Ost künftig seinen Lieblingsort.

Der Bund der Steuerzahler meint:
Mit der zur B3 hin ausgerichteten Hollywoodschaukel verschaukelt Kassel die Steuerzahler, denn es ist zu bezweifeln, ob man sich beim Blick auf eine viel befahrene Straße mit Lärm und Abgasen wirklich gut erholen kann. Damit sich die Sache nicht weiter aufschaukelt, sollte die Stadt ein Einsehen haben und das Objekt zum Park hin drehen.

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