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Teure Pause: 636.000 Euro-Rastplatz nur selten geöffnet

Die kleine südhessische Gemeinde Einhausen baut an einem Fluss-Radweg eine öffentliche Toilette mit Kiosk. Doch die voraussichtlich rund 636.000 Euro teure sogenannte Weschnitzrast wird wahrscheinlich nur an ca. 30 Tagen im Jahr geöffnet sein. Ob das eine gute Investition war, um – wie geplant – den sozialen Zusammenhalt zu stärken, ist fraglich.

Einhausen. Um den Zusammenhalt und das Unterhaltungsangebot in der südhessischen Gemeinde Einhausen zu stärken, wird derzeit an der Weschnitz, einem Nebenfluss des Rheins, direkt am Radweg der Familienerlebnisroute Ried ein Kiosk mit Außengrill und einer öffentlichen Toilettenanlage gebaut – die sogenannte Weschnitzrast. Für Anfang Oktober 2025 rechnet die Gemeinde mit der Fertigstellung, und im Dezember soll dann die Eröffnung folgen.

Die Idee der Gemeinde ist, einen beliebten Freilufttreffpunkt zu schaffen, an dem sich Spaziergängerinnen und Spaziergänger, Einheimische, Familien sowie Radfahrerinnen und Radfahrer treffen, ein kühles Getränk und einen Imbiss zu sich nehmen und dabei Flora und Fauna der angrenzenden Weschnitz genießen. Das Konzept beinhaltet auch etwa 60 Sitzmöglichkeiten.

Der Kiosk soll allerdings nicht gewerblich betrieben werden, sondern von örtlichen Vereinen, die dadurch Einnahmen generieren können. Außerdem soll ihnen weiteres soziales Engagement ermöglicht und das gesellschaftliche Zusammensein gestärkt werden. Speziell für diese Nutzung ist der Kiosk auch konzipiert: In den Räumen werden sich weder eine Gastronomieküche für den gewerblichen Betrieb noch eine Lüftungsanlage befinden. Angeschafft werden lediglich eine Spülmaschine, eine Kaffeemaschine, eine Kuchentheke, Kühlschränke, eine Grundausstattung an Gläsern und weiterem Geschirr sowie ein mobiler Grill für den Außenbereich. Bei einer Umfrage der Gemeinde haben jedoch nur sechs von 38 Vereinen Interesse gezeigt, den Kiosk nutzen zu wollen. Nach diesen Rückmeldungen würden sie den Kiosk dann an ca. 30 Tagen im Jahr betreiben. Die Gemeinde hofft, dass weitere Vereine hinzukommen, wenn sich das Konzept bewährt.

Die Gesamtkosten liegen bei 636.000 Euro; das Land förderte das Projekt mit bisher insgesamt 49.816,79 Euro. Das Geld kam aus den Programmen „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ sowie „Zukunft Innenstadt“. Mit Letzterem sollen experimentelle Projekte gefördert werden, „die mit neuen Formen des Wirtschaftens, Handels, sozialen Zusammenseins, kulturellen Austauschs und Wohnens mutige und zukunftsweisende Wege“ gehen, so das Nutzungskonzept der Gemeinde. Nach einer Anfrage des Bundes der Steuerzahler hofft die Gemeinde auf weitere 300.000 Euro vom Land Hessen. Diese wurden aber bis Redaktionsschluss noch nicht sicher zugesagt.

Der Bund der Steuerzahler meint:
Auf den ersten Blick klingt es nach einer guten Idee: Um die kleine Gemeinde zu beleben, schafft Einhausen einen Kiosk als Treffpunkt und will Vereinen ermöglichen, dort ihre Kasse aufzubessern. Einhausen setzt dabei jedoch auf das Prinzip Hoffnung, wonach sich das Konzept im Laufe der Zeit bewährt und mehr Vereine den Kiosk nutzen werden. Doch sollte dieser Plan nicht aufgehen, wird viel Steuergeld verschwendet sein.

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