Fuldabrück. Quer durch das südlich von Kassel gelegene Fuldabrück-Bergshausen verläuft die 700 Meter lange Flughafenstraße. Im Jahr 2020 beschloss die Gemeinde deren grundlegende Sanierung: Die Straßenoberfläche, die Kanäle, Leitungen und der Gehweg wurden erneuert. Außerdem entstanden auf einem 400 Meter langen Teilstück ein neuer Radschutzstreifen und drei begrünte Verkehrsinseln. Genau diese Kombination aus Radschutzstreifen und Verkehrsinseln sorgt inzwischen für Kopfschütteln.
Im Dezember 2024 waren die Bauarbeiten abgeschlossen, die Markierungsarbeiten erfolgten im März 2025. Der Schutzstreifen befindet sich nur auf der bergaufführenden Seite der Straße und ist, anders als ein Radweg, baulich nicht von der Fahrbahn getrennt, sondern nur mit einer gestrichelten Linie gekennzeichnet. Bei Gegenverkehr kann der Streifen auch von Autos befahren werden, wenn Radfahrerinnen und Radfahrer nicht behindert oder gefährdet werden.
Das Kuriose an diesem Streifen ist, dass er durch eine der begrünten Verkehrsinseln unterbrochen wird. Weil auf der durch einen Bordstein erhöhten Insel drei Bäume gepflanzt wurden, kann diese auch nicht mit dem Fahrrad befahren werden. Radfahrerinnen und Radfahrer müssen also die Verkehrsinsel links umfahren, bei Gegenverkehr müssen sie Vorfahrt gewähren. Aufgrund der Hanglage der Straße bedeutet dies für Radlerinnen und Radler mühsames Anfahren gegen die Steigung. Ungeübte oder beeinträchtigte Pedaleurinnen und Pedaleure können dabei schon einmal ins Schwanken geraten. Zusätzlich droht Ungemach durch ungeduldige Kfz-Fahrerinnen und -Fahrer hinter ihnen.
Der Bürgermeister erklärt, dass der Radschutzstreifen nicht unterbrochen wird, sondern vor der Verkehrsinsel endet und danach weitergeführt wird. Diese Spitzfindigkeit dürfte einem bergauffahrenden Biker jedoch egal sein – im Ergebnis kommt es für ihn oder sie auf das Gleiche hinaus. Statt – wie beabsichtigt – den Verkehr zu beruhigen und das Radfahren sicherer zu machen, erhöht die Kombination aus Schutzstreifen und Verkehrsinsel sogar das Risiko. Die Gemeinde bestreitet ein höheres Gefahrenpotenzial. Eine Weiterführung des Radschutzstreifens an der Insel vorbei war laut Gemeinde aufgrund der Enge der Fahrbahn nicht möglich. Ein Rückbau sei zu teuer. Für diese potenziell gefährliche Straßenführung mussten die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler 7.000 Euro blechen. So hoch waren die Kosten für die Verkehrsinsel inklusive Bepflanzung.
Die Gesamtkosten für die Sanierung der Flughafenstraße belaufen sich auf ca. 4,8 Mio. Euro. Davon erhält die Gemeinde Fuldabrück ca. 371.900 Euro an Zuwendungen des Landes Hessen. Der Bürgermeister freut sich zwar über eine „top erneuerte [...] Straße“, doch die Freude der Radfahrerinnen und Radfahrer in Bergshausen, die Steigung auf dem Radschutzstreifen nun sicherer bewältigen zu können, dürfte durch die fragwürdig platzierte Verkehrsinsel deutlich getrübt sein.
Der Bund der Steuerzahler meint:
Ein Radschutzstreifen soll die Verkehrssicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer erhöhen. Doch in Fuldabrück-Bergshausen wird durch eine ungünstig platzierte Verkehrsinsel diese Schutzwirkung mindestens eingeschränkt – durch öffentliche Mittel finanziert. Eine bessere Lösung wäre eine für Fahrräder befahrbare Verkehrsinsel gewesen.
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