Eschwege. Die nordhessische Stadt Eschwege ist nicht nur für ihre vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser bekannt, sondern auch für das ehemalige Landgrafenschloss, in dessen Innenhof sich ein Brunnen mit Motiven aus dem Märchen „Frau Holle“ befindet. Wenig märchenhaft sind allerdings die Kosten für neue Sitzgelegenheiten in der Innenstadt. Die blau-grauen Kunststoffmöbel erinnern viele an bekannte Klemmbausteine, waren aber deutlich teurer als das beliebte Kinderspielzeug. Die Verantwortlichen in Eschwege haben sich zum Ziel gesetzt, unter dem Motto „Von der Innen- zur Draußenstadt“ mehr Treffpunkte in der Stadt zu schaffen, um damit die Kommunikation unter den Bürgerinnen und Bürgern zu verbessern. Dafür sollten nicht nur einfache Bänke angeschafft werden, sondern etwas Besonderes musste her. Eine eigens einberufene interdisziplinäre Arbeitsgruppe entschied sich gegen Modulsysteme, die bereits verfügbar waren. Stattdessen gab die Stadt einen Prototypen in Auftrag, der speziell auf die vielfältigen Anforderungen und Eschweger Bedürfnisse zugeschnitten sein sollte – nicht nur als Sitzgelegenheit, sondern auch als Bühne, Spielgerät, Stehtisch und vieles mehr. Die Objekte sollen langfristig an verschiedenen Orten innerhalb der Stadt eingesetzt werden. Dabei soll ihre Eignung für unterschiedliche Veranstaltungen und Nutzungsarten evaluiert werden.
Doch die Spezialanfertigungen waren für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler teuer: Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 223.000 Euro entfielen 179.000 Euro auf die Herstellung der Gussformen, die erstmals nur für diese Module angefertigt wurden. Daraus entstanden dann insgesamt 29 Module: 13 kurze Sitzkörper in hellblau, 14 lange Sitzkörper in anthrazit und zwei Bepflanzungsmodule in dunkelblau. Die Kosten musste Eschwege allerdings nicht allein tragen. 90 Prozent der Gesamtkosten übernahm das Land Hessen mit dem Förderprogramm „Zukunft Innenstadt“. Der Eigenanteil der Stadt war mit rund 22.300 Euro also recht überschaubar.
In der Eschweger Bevölkerung sind jedoch nicht nur die hohen Kosten ein heiß diskutiertes Thema. Auch Optik und Farbgebung sind gerade im Zusammenhang mit den Fachwerkhäusern in der Altstadt umstritten. Doch die Stadt verteidigt die Anschaffung der mobilen Sitzmöbel: Die Module sollen eine extreme Langlebigkeit haben, seien witterungsbeständig, wartungsarm, ließen sich ohne großen Aufwand installieren und das ganze Jahr über vielfältig einsetzen.
Der Bund der Steuerzahler meint:
Die Anschaffung der mobilen Sitzmöbel ist ein klassischer Fall von Mischfinanzierung. Die hohe Fördersumme hat bei der Stadt Eschwege vermutlich zu Fehlanreizen geführt. Nach dem Motto: Wenn man selbst kaum etwas zahlen muss, darf es gern etwas teurer sein. Mobile, wetterfeste und langlebige Sitzmöbel sind sicher sinnvoll, aber die Stadt hätte auf Sitzgelegenheiten „von der Stange“ zurückgreifen und so viel Geld sparen können.
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