Eine Woche vor Weihnachten berichtete die Stadt Bad Vilbel stolz, der Hessentag 2025 sei auch finanziell ein Gewinn gewesen: Der Überschuss habe 7,75 Mio. Euro betragen. Eine überraschende Meldung, hatten doch seit vielen Jahren alle Ausrichter-Städte Millionendefizite verbucht. Die Behauptung Bad Vilbels beruht allerdings auf einer sehr „kreativen“ Berechnungsweise, auf die andere Hessentags-Städte bisher nicht gekommen waren.
Pfungstadt erlebte 2023 ein Debakel
Pfungstadt beklagte bei der Durchführung des Hessentags 2023 ein Defizit von über 10 Mio. Euro. Weil statt der erwarteten 600.000 Besucherinnen und Besucher lediglich 400.000 kamen, wurden die erhofften Einnahmen bei weitem nicht erreicht. Gleichzeitig explodierten die Kosten. Ein Akteneinsichtsausschuss bemühte sich noch bis Februar 2026 um die Aufklärung der Gründe für dieses Debakel.
Fritzlar feierte vorbildlich bescheiden
Einen anderen Weg ging Fritzlar 2024. Dort fiel das Fest deutlich bescheidener aus, z.B. verzichtete die Stadt auf eine große Arena für teure Konzerte internationaler Stars und beschränkte sich auch in vielen anderen Bereichen auf das Wesentliche. Der „Hessentag der kurzen Wege“ wurde dennoch gut angenommen, fast 520.000 Besucherinnen und Besucher kamen in die Dom- und Kaiserstadt. Ein Beweis dafür, dass kein Gigantismus nötig ist, um die Hessinnen und Hessen zusammenzubringen. Anfang 2026 konnte Bürgermeister Hartmut Spogat die Endabrechnung mit einem Defizit von 3,8 Mio. Euro vorlegen, deutlich weniger als geplant.
Bad Vilbel rechnete sich die Lage schön
Wie konnte es Bad Vilbel vor diesem Hintergrund schaffen, einen Überschuss von 7,75 Mio. Euro zu erzielen? Die Antwort ist einfach: Gar nicht. Die Stadt berichtete selbst, dass das „operative Defizit“ des Hessentags 2025 4,9 Mio. Euro betragen habe. Sie verrechnete dieses aber mit Zuschüssen des Landes in Höhe von 12,65 Mio. Euro für Investitionen in Bad Vilbel, die „vor dem Hessentag oder dank des Hessentags“ geflossen sind oder noch fließen werden.
Quellenstadt erhielt doppelte Landesmittel
Hintergrund ist, dass alle Hessentags-Städte im Gegenzug für die Ausrichtung des Fests Landesmittel in Höhe von 8,5 Mio. Euro erhalten, von denen bis zu 2 Mio. Euro für die teilweise Deckung des Defizits bei der Durchführung eingesetzt werden können. Bad Vilbel hat diese Gelder doppelt erhalten, einmal für den wegen der Coronapandemie ausgefallenen Hessentag 2020 und einmal für 2025. Insgesamt konnte sich die Quellenstadt also über 17 Mio. Euro vom Land freuen.
Jubelmeldung oft kritiklos übernommen
Während die anderen Hessentags-Städte bei der Berechnung des Defizits nur den dafür vorgesehenen Teil der Landeszuwendungen berücksichtigt haben, hat Bad Vilbel zusätzlich noch die Investitionszuschüsse eingerechnet (und beides gleich doppelt). So kommt die Stadt zu einem angeblichen Überschuss. Erstaunlich ist, dass manche Medien diese Darstellung kritiklos übernommen haben. Nebenbei: Für die vom Land geförderten Investitionen in Bad Vilbel muss die Stadt noch einmal einen Eigenanteil von über 25 Mio. Euro drauflegen. Dabei sind die Folgekosten noch nicht einmal berücksichtigt.
Plus an Gemeinschaftsgefühl teuer erkauft
Es ist unbestritten, dass die Hessentags-Städte mit den Investitionszuschüssen des Landes die Stadtentwicklung voranbringen können – sofern das Geld klug eingesetzt wird. Außerdem kann sich eine Kommune durch das Landesfest hessenweit hervorragend präsentieren und einen Imagegewinn erzielen. Schließlich können die Bürgerinnen und Bürger sowie die Vereine vor Ort profitieren und das Gemeinschaftsgefühl kann steigen. Der Preis dafür ist aber in jedem Fall ein Durchführungsdefizit in Millionenhöhe.
Schwierige Suche nach Ausrichterstädten
Deshalb verwundert es auch nicht, dass es zuletzt schwierig war, Ausrichterstädte zu finden. Ende 2025 verzichtete die nordost-hessische Stadt Bebra aus finanziellen Gründen darauf, sich für den Hessentag 2027 zu bewerben. Im Februar 2026 sprang schließlich Idstein ein, das nun den Zuschlag erhalten dürfte. Allerdings befindet sich das Taunusstädtchen in einer finanziellen Schieflage, in den nächsten Jahren werden wohl erhebliche Einsparungen und Grundsteuererhöhungen notwendig werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich Idstein am bescheidenen Konzept von Fritzlar orientiert und sich finanziell nicht überhebt. Für spätere Jahre sollte Hessen sein Landesfest endlich von zehn auf drei Tage kürzen und/oder den Turnus ändern, damit die finanziellen Lasten für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler überschaubar bleiben.
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