Bitte geben Sie den Suchbegriff in die Suchbox ein und drücken Sie anschließend ENTER

Parkhaus-Rückbau noch vor Eröffnung

Wetzlar: Durch Baufehler sind Betonplatten aufgeplatzt

Der Lahn-Dill-Kreis hat in Wetzlar ein neues Verwaltungsgebäude bauen lassen. Daneben sollte ein Parkhaus entstehen. Schon während der Bauphase wurden gravierende Schäden festgestellt. Nun muss das Parkhaus aufwändig zurückgebaut werden und der Kreis verhandelt mit der Baufirma über einen Vergleich. Ungewiss ist, ob es bei den zuletzt veranschlagten
8,5 Mio. Euro an Baukosten bleibt. 

Im Westen Hessens liegt der Lahn-Dill-Kreis mit Verwaltungssitz in Wetzlar. Für die Kreisverwaltung wurde am Karl-Kellner-Ring ein neues Gebäude errichtet, der sogenannte Rundbau. Direkt daneben sollte ein Parkhaus für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstehen. Geplant waren 290 Stellplätze auf elf Halbetagen und fünf Stockwerken. Baubeginn war Ende 2021, Mitte 2024 sollte das Parkhaus eröffnet werden. Doch es kam anders.

Frost ließ Betonplatten aufplatzen

Im Januar 2024 wurden im Rohbau des Parkhauses gravierende Schäden festgestellt. Die Baufirma hatte Spannbetonplatten mit Hohlkammern als Decken für die Parkebenen genutzt. Doch beim Verlegen der Platten sollen Öffnungen an den Oberseiten nicht vollständig verschlossen worden sein. Vorgesehene Entwässerungsbohrungen an der Unterseite der Hohldielen waren nicht im notwendigen Umfang geöffnet vorhanden. Dadurch ist Wasser eingedrungen, welches im Winter gefror und den Beton aufplatzen ließ. Eine Schadensanalyse hat ergeben, dass die Frostschäden ca. 70 Prozent der Deckenplatten so beschädigt haben, dass sie ausgetauscht werden müssen. Noch ist strittig, ob es sich hierbei um einen Produktions- oder einen Einbaufehler handelt. Laut Kreis kann aufgrund der Mängel die statische Sicherheit bei Volllast nicht gewährleistet werden. Deshalb steht das Parkhaus nun seit über zwei Jahren unvollendet neben der Kreisverwaltung.

Kreis hofft auf Vergleich mit Bauunternehmen

Der Lahn-Dill-Kreis versichert, dass ihn keine Schuld treffe, weil eine regelmäßige Bauüberwachung stattgefunden habe. Fast zwei Jahre lang wurden umfangreiche Untersuchungen angestellt, um die genauen Schäden zu ermitteln. Der Kreis prüfte rechtliche Schritte, doch da solche Verfahren oft viele Jahre dauern, verhandeln die Verantwortlichen derzeit mit der Rohbaufirma, um einen Vergleich zu erzielen. Das Unternehmen hat außerdem ein Recht darauf, nachzubessern. Das Parkhaus soll nun teilweise zurückgebaut werden. Anschließend soll ein System-Parkhaus mit Stahlträgergerüst und Betondecken entstehen.

Trotz Schäden stieg der Preis auf 8,5 Mio. Euro

Zu diesen Pannen kommen zusätzlich immer weiter steigende Kosten. Im Jahr 2020 ging der Kreis noch von 6,23 Mio. Euro aus, 2025 waren es schon 8,1 Mio. Euro. Aktuell werden 8,5 Mio. Euro veranschlagt. Von den Vergleichsverhandlungen mit der Rohbaufirma erhofft sich der Kreis eine Kostenminderung von einer Mio. Euro zu erreichen, hinzu kommen noch 1,5 Mio. Euro aufgrund von Mängelfolgeschäden. Aktuell ist noch völlig unklar, wie hoch die Kosten für den Kreis am Ende sein werden und welche Schadensersatzansprüche er geltend machen kann. Bisher hat der Kreis 5 Mio. Euro ausgegeben. Allerdings hat er für das Parkhaus ein Budget in Höhe von 10,2 Mio. Euro haushalterisch eingeplant. Hoffentlich muss dieser Rahmen nicht ausgereizt werden.

Der Steuerzahlerbund bleibt dran

Aktuell laufen noch die Vergleichsverhandlungen. Die Zeit wird zeigen, ob das Unternehmen das Parkhaus zu den vereinbarten Kosten und Fristen bauen kann. Der Lahn-Dill-Kreis sollte dies unbedingt engmaschig überwachen. Der BdSt Hessen bleibt auf jeden Fall an dem Thema dran. Zwar ist die Geschichte ein klarer Fall von „dumm gelaufen“, doch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sollten dafür nicht die Kosten tragen.

 

Weitere Meldungen