Kassel. Kassel in Nordhessen bietet als documenta-Stadt eine Vielzahl von Museen. Neben dem Hessischen Landesmuseum, der Grimmwelt und dem Fridericianum gibt es dort auch ungewöhnliche Einrichtungen wie etwa die „Caricatura – Galerie für Komische Kunst“, die Ausstellungen aus den Bereichen Cartoon, Karikatur und Komische Malerei präsentiert, und das Museum für Sepulkralkultur, das dem Themenfeld Tod und Trauer gewidmet ist.
Bald reiht sich dort das Deutsche Tapetenmuseum ein. Das Gebäude dafür entsteht in Nachbarschaft zum Hessischen Landesmuseum am Brüder-Grimm-Platz in Verbindung mit der historischen nördlichen Torwache. Auf 4.000 Quadratmetern Nettogrundfläche (3.000 Quadratmeter Nutzfläche) werden nach der geplanten Eröffnung Tapeten aus der 23.000 Exponate großen Sammlung zu sehen sein, vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Darunter sind Exemplare mit teils 17 Metern Länge und drei Metern Höhe, eine 500 Jahre alte Goldleder-Tapete, aber auch topaktuelle Vliesmuster. Außerdem soll das neue Gebäude über ein eigenes Depot verfügen, um Tapeten einzulagern. In der Torwache werden der pädagogische Veranstaltungsraum, Garderobe und Sanitäranlagen untergebracht. Außerdem wird darin die ehemalige Wohnung der Brüder Grimm museal rekonstruiert.
Das Deutsche Tapetenmuseum hat eine lange Geschichte. Im Jahr 1923 wurde es vom Verein Deutsches Tapetenmuseum e. V. in Kassel gegründet. Nach 70 Jahren übernahm das Land Hessen die Sammlung als Dauerleihgabe und verpflichtete sich im Übernahmevertrag 1993 dazu, sie „in einem angemessenen Umfang und als in sich geschlossene Präsentation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so das zuständige Ministerium. Dies geschah von 1976 bis 2008 in den Räumlichkeiten des Hessischen Landesmuseums in Kassel, seitdem liegen die Exponate in einem Depot.
Im Jahr 2017 ging die Sammlung dann in das Eigentum des Landes Hessen über, das seither bestrebt ist, die Exponate in einem Neubau am Brüder-Grimm-Platz zu zeigen, um so seiner vertraglichen Verpflichtung nachzukommen. Damals ging man noch von Kosten in Höhe von 24,4 Mio. Euro aus.
Die Grundsteinlegung für den Museumsneubau war im Juni 2023. Doch mit der Zeit stiegen nicht nur die Kosten auf inzwischen 34,9 Mio. Euro, auch die Fertigstellung verzögerte sich um ein Jahr bis Herbst 2027. Nach Eröffnung erwartet das Land 620.000 Euro an jährlichen Betriebs- und Personalkosten. Konkrete Besucherprognosen möchte Hessen nicht treffen, da die Sammlung seit Längerem nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen sei.
Der Bund der Steuerzahler meint:
Schon im Schwarzbuch 2018/19 kritisierte der BdSt das Deutsche Tapetenmuseum. Immer wieder kam es zu Kostensteigerungen und Verzögerungen. Weiterhin fehlt es an Prognosen für Besucherzahlen und Eintrittserlöse. Angesichts dessen fragt sich der Steuerzahlerbund, ob die fast 35 Mio. Euro für den Neubau gerechtfertigt sind.
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