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Fünf Bäume für 100.000 Euro

Neu-Anspach pflanzte für insgesamt 100.000 Euro fünf Bäume, ein Baum kostete also im Durchschnitt 20.000 Euro. Der Bund bezuschusste das Projekt mit 80.000 Euro. Zur Begründung wird der Hochwasserschutz angeführt, obwohl das Taunusstädtchen Neu-Anspach schon viel Grün hat und die teuren Neupflanzungen kaum ins Gewicht fallen dürften.

Neu-Anspach. Nördlich von Frankfurt am Main im Taunus liegt Neu-Anspach. Die 15.000-Einwohner-Stadt ist umgeben von Wäldern, und auch in der Kommune selbst gibt es viel Grün. Dennoch wurden dort 2025 für viel Geld weitere Bäume gepflanzt.

So ließ die Stadt im April 2025 in der Theodor-Heuss-Straße vier Ulmen einsetzen. Dazu wurden bis zu 61 Kubikmeter große Gruben ausgehoben. In der nahen Konrad-Adenauer-Straße begnügte man sich mit einer kleinwüchsigen Linde und nur 38 Kubikmeter Aushub. Insgesamt gab die Stadt für nur fünf Bäume 100.000 Euro Steuergeld aus.

In einem Leserbrief in der örtlichen Presse wurde der Vorgang als „Aprilscherz“ bezeichnet, doch Neu-Anspach meinte es bitterernst. Schließlich erhofft sich die Stadt von den fünf neuen Bäumen eine Verbesserung des Hochwasserschutzes. Dies ist jedenfalls die offizielle Begründung.

Was die Finanzierung betrifft, so handelt es sich um eine sogenannte Mischfinanzierung. Die Stadt hat dieses Projekt also nicht allein gestemmt, sondern 80.000 Euro – den Großteil der Kosten – finanzierte der Bund im Rahmen des Förderprogramms „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“. Dahinter steht die Idee der „Schwammstadt“. Damit soll der Hochwasserschutz verbessert werden, indem der Abfluss von Regenwasser im bebauten Bereich durch mehr Grün verlangsamt wird.

Die Fördergelder waren jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft, sodass sich die Neupflanzung als besonders aufwendig und teuer gestaltete: So waren die Grubengrößen, die für die Bäume ausgebaggert wurden, Vorgaben des Programms.

Für einen Baum mussten mindestens 36 Kubikmeter ausgehoben werden. Auch die Befüllung ist genauestens vorgegeben. Die Optimierung der Pflanzgruben für die Nährstoff-, Wasser- und Sauerstoffversorgung wird mit einem speziell hergestellten Substrat sichergestellt. Hierfür wird die Pflanzgrube mit Grobschotter gefüllt. Die Hohlräume werden mit einer Mischung aus Sand, Lehm und Humus verfüllt. Den Abschluss bilden Wildblumen, dafür wurde als oberste Schicht ein ähnliches Substrat (aus Splitt, Lehm, Sand und Humus) eingebaut. Viel Aufwand, der erklärt, warum so viel Geld für gerade einmal fünf Bäume benötigt wurde.

Der Bund der Steuerzahler meint:

Neu-Anspach pflanzte fünf Bäume für 100.000 Euro – gefördert vom Bund. Ohne Fördergelder hätte die Stadt vermutlich auf die aufwendige Aktion verzichtet. Die Idee, mit Bäumen etwas gegen Hochwasser und Klimawandel zu tun, mag gut gemeint sein. Doch für denselben Betrag hätten 50 normale Bäume gepflanzt werden können. Solche Projekte mögen in stark versiegelten Metropolen Sinn ergeben, im ländlichen Taunus sind sie eher fragwürdig.

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