Villmar. „Links, rechts, vor, zurück. Das macht Spaß, das bringt Glück“ – dieses Lied wird von vielen karnevalsbegeisterten Menschen in der närrischen Zeit gesungen. Doch was an Karneval Freude bereitet, war für eine mittelhessische Gemeinde ein großes Ärgernis.
Das rund 7.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Villmar im Landkreis Limburg-Weilburg kann sich über ein neues Gewerbegebiet freuen: Ziel war es, in einem ersten Bauabschnitt einem ortsansässigen Unternehmen die Möglichkeit zur Erweiterung zu geben und so Arbeitsplätze in der Gemeinde zu sichern. Im Herbst 2023 gab die Gemeindevertretung nach den üblichen Vorplanungen grünes Licht. Wegen der Lage des Gewerbegebiets am Ortsrand, an der Landesstraße L 3365, musste zuvor u. a. auch die hessische Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil einbezogen werden. Ab hier nahm das Drama seinen Lauf.
Die Landesbehörde hatte nämlich Bedenken hinsichtlich der Verkehrssicherheit der Ein- und der Ausfahrt des Gewerbegebiets von der bzw. auf die Landesstraße. Den von Villmar vorgesehenen „trompetenförmigen“ Lösungen schob Hessen Mobil daher einen Riegel vor: „Um unzulässige Fahrbeziehungen zu verhindern, darf weder an der geplanten Einfahrt eine Eckausrundung in Richtung Villmar dargestellt werden noch an der geplanten Ausfahrt eine Eckausrundung in Richtung Niederbrechen“, äußerte sich Hessen Mobil in einer Stellungnahme laut der Gemeinde Villmar. Die Gemeinde sah diese Einschätzung zwar von Anfang an kritisch, musste jedoch nach den Vorgaben von Hessen Mobil bauen und die Kosten in Höhe von 120.000 Euro übernehmen. Ende 2024 wurden die Zu- und Ausfahrten fertiggestellt.
In der Realität hätte diese Gestaltung bedeutet, dass Ein- und Ausfahrt jeweils nur in eine Richtung hätten genutzt werden können. Wer vom Gewerbegebiet in Richtung der A3 fahren wollte, durfte nur nach rechts – also in die entgegengesetzte Richtung zur A3 – abbiegen, musste durch den Ortskern von Villmar bis zu einem wendegeeigneten Kreisel fahren und dann die komplette Strecke wieder zurück, am Gewerbegebiet vorbei und schließlich Richtung Autobahn fahren. Ähnlich gestaltete es sich für die andere Richtung: Auch hier mussten die Lkw erst einmal einen Umweg über den benachbarten Ort Niederbrechen fahren. Kein Wunder, dass diese Planung vor Ort für Unmut sorgte.
Doch Villmar gab nicht auf und suchte das Gespräch mit Hessen Mobil, dem Landkreis Limburg-Weilburg und den zuständigen Fachbehörden. Schließlich kam man schon Anfang 2025 zu dem einzig sinnvollen Ent-schluss, die Ein- und Ausfahrten umzubauen und, wie anfangs von der Gemeinde vorgeschlagen, „trompetenförmig“ anzulegen. Dieser Umbau verursachte zusätzliche Kosten in Höhe von 100.000 Euro – erträglicher gemacht nur dadurch, dass ein Bauunternehmen 40.000 Euro wegen eines anderen Fehlers tragen muss. So blecht Villmar weitere 60.000 Euro.
Der Bund der Steuerzahler meint:
Die Zuständigkeiten geben zwar vor, dass Hessen Mobil für Baumaßnahmen an Landesstraßen verantwortlich ist. Die Straßenverkehrsbehörde hätte aber rechtzeitig auf die sinnvollen Vorschläge der Gemeinde eingehen sollen. Denn die Gemeindevertreter kennen die Lage und die Probleme vor Ort oft besser. Die Suppe darf nun die Gemeinde Villmar auslöffeln – für einen Fehler, den sie nicht selbst verschuldet hat.
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