Freigericht. Aufgrund des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine kamen in den Jahren 2022 und 2023 so viele Geflüchtete nach Deutschland wie zuletzt 2016, so auch in die 14.000-Einwohner-Kommune Freigericht im Main-Kinzig-Kreis an der Grenze zu Bayern. Die Verantwortlichen der Gemeinde suchten deshalb nach Möglichkeiten, die zugewiesenen und erwarteten Geflüchteten unterzubringen. Sporthallen sollten dabei aber nicht belegt werden, damit die Kinder weiterhin am Schulsport teilnehmen und Vereine ihren Trainings- und Spielbetrieb aufrechterhalten konnten. Deshalb kaufte die Gemeinde im Oktober 2023 für rund zwei Mio. Euro (inkl. Nebenkosten) das ehemalige Hotel „Zur Linde“ im Ortsteil Horbach. Den Kaufwert bestimmte das Ortsgericht. Die Verantwortlichen gingen davon aus, eine schnelle, praktikable Lösung gefunden zu haben. In dem Gebäude sollten eigentlich 50 Geflüchtete untergebracht werden. Doch es kam ganz anders. Noch immer lebt in dem ehemaligen Hotel niemand, denn die vor der Nutzung vorgesehene Sanierung wurde nicht abgeschlossen. Nachdem bereits 25.500 Euro investiert worden waren, stoppten die Gemeindevertreter im Juni 2024 den Um-bau. Der Grund dafür waren Mängel an der Elektroanlage, deren Beseitigung unerwartet hohe Kosten verursacht hätte. Vor dem Kauf wurde zwar die Bausubstanz geprüft und für „in Ordnung“ befunden, offenbar aber nicht die technische Gebäudeausstattung. Anschließend ist mit dem Haus fast zwei Jahre lang nichts passiert.
Für das ehemalige Hotel fielen jedoch jährlich Kosten im niedrigen vierstelligen Bereich an. Über die Hälfte davon zahlte sich die Gemeinde als Grundsteuer B selbst, teilte Freigericht dem BdSt auf Anfrage mit. Für Geflüchtete würde dieser Raum wegen zurückgehender Geflüchteten-Zahlen sowieso nicht mehr gebraucht. Deswegen prüfte die Gemeinde mögliche Nachnutzungsvarianten und entschied sich für einen Verkauf. Eine aktuelle Beurteilung durch einen externen Gutachter ergab jedoch, dass das Gebäude nur ein Drittel des damaligen Kauf-preises wert ist. Jetzt wird es für 650.000 Euro an eine Käufergemeinschaft aus der Region veräußert, die es umbauen will. Neben geplanten Wohnungen soll in dem Gebäude laut Bürgermeister „die Gastronomie wiederbelebt und die Nahversorgung durch einen 24 Stunden Kiosk [sic] gestärkt werden“. Die Umbaukosten werden von den neuen Eigentümern getragen.
Der Bund der Steuerzahler meint:
Auch wenn 2023 eine schnellstmögliche Entscheidung getroffen werden musste, hätten die Verantwortlichen der Gemeinde Freigericht ein ausführliches Baugutachten erstellen lassen müssen, bevor sie übereilt das mängelbehaftete Hotel kauften. Nach dem Verkauf mit Verlust steht fest, dass ein großer Teil des Steuergelds, rund 1,4 Mio. Euro, verloren ist.
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