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Stilles Örtchen wird besonders still

Nach jahrelangem Stillstand der Verhandlungen über die Toilettenanlage auf dem Kirmes-Gelände „In der Host“ in Hadamar fiel nun endlich die Entscheidung: Ein Neubau für 355.700 Euro soll es sein, der aber nur an wenigen Tagen im Jahr genutzt werden darf. Die Sache eilte, weil die Fördermittel des Landes Hessen Ende 2026 verfallen.

Hadamar. Ein Bürgerpavillon? Die Sanierung des Toilettenhäuschens inkl. Anbau eines Lagerraums? Ein gemauerter Neubau? Oder doch eine Container-Lösung? Begonnen hat die Diskussion über die Toilettensituation auf dem Festplatz-Gelände „In der Host“ in Hadamar-Niederhadamar bereits 2019. Klar war von Anfang an: Die Verantwortlichen wollten dafür Fördermittel des Landes Hessen nutzen. Zunächst stellte der Ortsbeirat den Antrag, einen Bürgerpavillon zu errichten, da Niederhadamar keinen Gemeinschaftsraum besitzt. Dieses Begehren wurde „in mehrjährigen intensiven Beratungen dahingehend gekürzt, dass der Neubau einer Toilettenanlage mit Lagerraum in den Haushalt aufgenommen wurde“, so Hadamars Bürgermeister gegenüber dem BdSt.

Ein Streitpunkt war, dass Anwohnerinnen und Anwohner bei einem gemauerten Neubau in Straßennähe statt der Sanierung der alten WCs mehr Lärm- und Geruchsbelästigung befürchteten. Als günstigere Alternative wurde ein Toilettencontainer diskutiert, für den die Verantwortlichen Kosten von ca. 175.000 Euro kalkulierten. Das stille Örtchen soll nur während Veranstaltungen benutzt werden dürfen. Davon finden auf dem Gelände „In der Host“ jährlich allerdings nur zwei regelmäßig statt – die viertägige Kirmes Anfang September und der zweitägige Weihnachtsmarkt im Dezember. Andere Events, wie ein Oldtimertreffen oder alle paar Jahre ein Dorffest, sind die Ausnahme. Zuletzt debattierten die Stadtverordneten über zwei Vorschläge: die Sanierung der bestehenden Anlage aus den 1960er-Jahren inkl. Anbau eines Lagerraums in Größe einer Fertiggarage für insgesamt 300.000 Euro oder den Neubau für mehr als 350.000 Euro. Bis Februar 2026 passierte nichts – außer einer erheblichen Steigerung der kalkulierten Kosten: Noch 2021 waren für einen Neubau nur 250.000 Euro veranschlagt. Erst als die Fördermittel des Landes zu verfallen drohten, beendete die Stadtverordnetenversammlung die Diskussion endlich mit einem Beschluss.

Jetzt sollen sechs Damentoiletten, ein barrierefreies WC sowie vier Pissoirs und zwei Kabinen für Männer entstehen. Außerdem baut die Dorfgemeinschaft die alte Toilettenanlage zu einem Raum für die Lagerung von Bierzeltgarnituren und Ähnlichem um.

Die Zeit drängt: Damit die Fördermittel, die zum Jahresende 2026 verfallen, ausgeschöpft werden können, müssen die Kosten bis Oktober abgerechnet werden. Anfang Juni wurden die Bodenplatten für den Neubau des WCs verlegt. Der Bau sollte im September abgeschlossen sein, was zu Redaktionsschluss noch offen war. Hadamar selbst zahlt zunächst „nur“ 30.700 Euro, der Rest des Projekts wird durch das Land Hessen finanziert: 292.500 Euro sind Fördermittel aus der sogenannten Hessenkasse und 32.500 Euro ein zinsloses Darlehen. Immerhin soll der jährliche Unterhalt nur rund 1.000 Euro kosten. Für die Reinigung sollen die jeweiligen Veranstalter von Kirmes und Weihnachtsmarkt sorgen.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert:

Hadamar hätte früher handeln müssen. Nicht nur, dass plötzlich alles ganz schnell gehen musste, weil sonst Fördermittel des Landes verfallen – zudem sind 355.700 Euro für eine Toilette, die an voraussichtlich nur sechs Tagen im Jahr benutzt werden darf, viel zu viel. Dabei wäre eine günstigere Lösung sinnvoller gewesen.

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