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Grundsteuer im Main-Taunus-Kreis erreicht Höchststände

Bund der Steuerzahler Hessen analysiert Finanzsituation der Städte und Gemeinden / Fast alle Städte und Gemeinden mit Haushaltsdefizit / Fünf Erhöhungen bei der Grundsteuer B / Hofheim und Eppstein unter den TOP 3 in Hessen / Sechs Kommunen erhöhten Gewerbesteuer

Nach den Ergebnissen der Kommunalfinanzanalyse des Bundes der Steuerzahler (BdSt) Hessen steigt die Belastung aus der Grundsteuer B im Main-Taunus-Kreis massiv an. So erhöhten fünf der zwölf Kreiskommunen ihre Hebesätze, die Steigerungen in Hofheim, Eppstein und Flörsheim waren extrem. Hofheim und Eppstein belegen mit ihren neuen Hebesätzen nun die Plätze zwei und drei in ganz Hessen. Zusätzlich erhöhten sechs Städte und Gemeinden die Hebesätze bei der Gewerbesteuer.

Hintergrund dafür dürfte die fortwährend angespannte Haushaltslage sein. 2026 kann mit Hofheim – nach den massiven Erhöhungen – nur eine Kreiskommune einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Und auch dieses Jahr kann Eppstein wiederholt – trotz der Erhöhung – das geplante Defizit im Jahresabschluss nicht durch eine Entnahme aus der Rücklage ausgleichen.

„Die Kommunen stehen weiter mit dem Rücken zur Wand. Insbesondere die gestiegenen Kosten für Kinderbetreuung und Soziales strapazieren die Haushalte vor Ort.

Die Mittel aus dem Kommunalen Finanzausgleich steigen nur leicht und nicht so wie versprochen. Außerdem entlasten die Zuweisungen aus den Sonderschulden des Bundes bei Investitionen, nicht jedoch bei laufenden Ausgaben. Die finanzielle Schieflage der Kommunen hält nun schon einige Jahre an und mittlerweile sind vielerorts die Rücklagen aufgebraucht. Daher sehen wir häufig massive Mehrbelastungen der Bürgerinnen und Bürger durch Steuern und Gebühren“, so Jochen Kilp, Vorstand beim hessischen Steuerzahlerbund. Bund und Länder seien gefordert, jetzt endlich auf der Ausgabenseite abzuspecken. Aber auch die Kommunen seien aufgerufen, Prioritäten zu setzen sowie ihre freiwilligen Standards und Leistungen zu hinterfragen. Nicht jede Kommune müsse alles selbst und allein erfüllen. Durch Interkommunale Zusammenarbeit ließen sich Aufgaben besser und wirtschaftlicher erledigen.

Bei der Grundsteuer B haben fünf Kommunen ihre Hebesätze erhöht, Hofheim hat den Hebesatz mit einer Steigerung um 886 Prozentpunkte auf nun 1.545 Prozent mehr als verdoppelt. Die Erhöhung in Hofheim ist 2026 die heftigste in Hessen. Auch Eppstein (+455) und Flörsheim (+430) haben ihre Hebesätze massiv angehoben. Damit liegen Hofheim und Eppstein (1.450) nicht nur an der Spitze im Main-Taunus-Kreis, hinter dem neuen Höchstwert von 1.600 Punkten in Riedstadt (Kreis Groß-Gerau) liegen die beiden Kreiskommunen nun auf Platz zwei und drei im hessenweiten Vergleich. Die Grundsteuer B wird auf bebaute und bebaubare Grundstücke erhoben. Da sie über die Nebenkosten auch auf die Mieterinnen und Mieter umgelegt werden kann, trifft sie alle Bürgerinnen und Bürger. Den niedrigsten Hebesatz hat weiterhin die Stadt Eschborn mit 215 Punkten. Mit einem Hebesatz-Schnitt von 873 Prozent liegt der Main-Taunus-Kreis 154 Punkte über dem Durchschnitt des Vorjahres und deutlich über dem aktuellen Durchschnitt aller hessischen Städte und Gemeinden (549).

Neben der reinen Höhe des Hebesatzes hat der BdSt Hessen auch die Grundsteuer-Belastung pro Kopf erhoben. Dabei zeigen sich im Main-Taunus-Kreis ebenfalls große Unterschiede. So müssen die Bürgerinnen und Bürger in Hofheim mit 546 Euro pro Kopf im Schnitt am meisten tragen, gefolgt von Eppstein (472 Euro). Die niedrigste Pro-Kopf-Belastung ergibt sich in Eschborn (130 Euro) und Liederbach (204 Euro). Der Mittelwert aller Kreiskommunen liegt bei 316 Euro, 59 Euro mehr als noch 2025, und über dem hessischen Durchschnitt (259).

Auch bei den Hebesätzen der Grundsteuer A haben die Kommunen an der Steuerschraube gedreht, es erfolgten insgesamt drei Erhöhungen. Die deutlichste Steigerung gab es hier in Flörsheim (+445), gefolgt von Hofheim (+213). Die Grundsteuer A wird auf land- und forstwirtschaftliche Flächen erhoben. Flörsheim hat mit nun 995 Prozent auch den höchsten Hebesatz im Main-Taunus-Kreis, während Schwalbach ganz auf die Erhebung der Grundsteuer A verzichtet. Im Durchschnitt rufen die Kreiskommunen einen Hebesatz von 433 Prozent auf, das sind 56 Punkte mehr als im Vorjahr. Damit liegen die Kommunen des Landkreises weiterhin knapp unter dem hessischen Durchschnitt (441 Prozent).

Im Zuge der Grundsteuerreform ist es den Kommunen in Hessen nun erlaubt, eine zusätzliche Grundsteuer C zu erheben. Diese belegt baureife Grundstücke, die noch nicht bebaut wurden, mit einem erhöhten Hebesatz (bis zum fünffachen des jeweiligen Hebesatzes der Grundsteuer B). Der BdSt Hessen sieht die Grundsteuer C kritisch, schließlich ist mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand zu rechnen, demgegenüber nur ein geringer Ertrag stehen dürfte. Im Main-Taunus-Kreis hat bisher keine Stadt oder Gemeinde die neue Grundsteuer C eingeführt.

Bei der Gewerbesteuer haben sechs Kreiskommunen ihre Hebesätze gegenüber 2025 gesteigert, die deutlichsten Erhöhungen gab es in Hofheim (+30) und Bad Soden (+24). Damit liegt Hofheim mit nun 400 Prozent auch bei der Gewerbesteuer auf dem unrühmlichen Spitzenplatz im Main-Taunus-Kreis. Die niedrigste Belastung trifft die Gewerbetreibenden in Eschborn mit 330 Prozent. Im Durchschnitt liegen die Kreiskommunen nun bei 378 Prozent (+10) und damit weiter unter dem hessischen Durchschnitt von 405 Prozent.

Mit der Verpackungssteuer ist aktuell bundesweit in einigen Kommunen eine weitere Belastung in der Diskussion. Diese lokale Steuer soll auf Einwegverpackungen für Essen und Getränke anfallen, die zum sofortigen Verzehr bestimmt sind. Die Befürworter versprechen sich davon, Einweg- zugunsten von Mehrweglösungen zu reduzieren. Zudem sollen die Einnahmen die Kosten für die Entsorgung des Abfalls im öffentlichen Raum tragen. Im Main-Taunus-Kreis wird die Verpackungssteuer nur in Schwalbach geprüft. Auch bei dieser sogenannten Bagatellsteuer überwiegen für den hessischen Steuerzahlerbund die Nachteile: So steht dem zu erwartenden, überschaubaren Ertrag ein erheblicher Aufwand zur Erhebung gegenüber.  So haben die Städte, die eine solche Steuer bisher eingeführt haben, gesonderte Stellen für die Erhebung geschaffen. Auch die betroffenen Betriebe wären von zusätzlicher Bürokratie betroffen.

Der hessische Steuerzahlerbund setzt sich weiterhin dafür ein, Straßenbeiträge bei voller Kompensation der kommunalen Einnahmeausfälle durch das Land abzuschaffen. Bedauerlicherweise verzichtet Hofheim auch weiterhin nicht auf die einmalige Erhebung. Damit bleibt Hofheim die einzige Kommune im Main-Taunus-Kreis mit Straßenbeiträgen.

BdSt erklärt: Was ist die Grundsteuer?

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