Nach den Ergebnissen der Kommunalfinanzanalyse des Bundes der Steuerzahler (BdSt) Hessen im Werra-Meißner-Kreis zeigt sich eine deutliche Schieflage bei den kommunalen Finanzen. So konnten mit Berkatal und Sontra nur zwei der 16 Kreiskommunen einen ausgeglichenen Haushaltsplan für 2025 vorlegen – eine weniger als noch im Vorjahr. Und in diesem Jahr können mit Großalmerode, Neu-Eichenberg, Ringgau und Weißenborn gleich vier Kommunen das geplante Defizit im Jahresabschluss nicht durch eine Entnahme aus den Rücklagen ausgleichen.
„Die Kommunen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Immer neue Aufgaben und steigende Kosten fressen die gestiegenen Steuereinnahmen mehr als auf. Das Land Hessen ist gefordert, die finanzielle Ausstattung der Kommunen endlich zu verbessern. Sonst drohen weitere massive Mehrbelastungen der Bürgerinnen und Bürger durch Steuern und Gebühren sowie Kürzungen bei wichtigen Investitionen oder eine deutlich höhere Verschuldung der Kommunen“, so Jochen Kilp, Vorstand beim hessischen Steuerzahlerbund. Aber auch die Kommunen seien gefordert, ihren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten. Dazu müssten sie Prioritäten setzen sowie ihre freiwilligen Standards und Leistungen hinterfragen. Nicht jede Kommune müsse alle Leistungen und Aufgaben selbst und allein erfüllen. Durch Interkommunale Zusammenarbeit ließen sich Synergien erzeugen, Aufgaben besser und wirtschaftlicher erledigen.
Die finanzielle Schieflage schlägt sich immer mehr in steigenden Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger nieder. Im Zuge der Grundsteuerreform mussten alle Kommunen zum 1.1.2025 neue Hebesätze beschließen, dazu hatte das Land Hessen für jede Stadt oder Gemeinde einen aufkommensneutralen Hebesatz berechnet und veröffentlicht. Mit diesem Hebesatz sollten die Kommunen genauso viel Grundsteuer einnehmen wie 2024, also vor der Reform.
„Wovor wir immer gewarnt haben, ist mancherorts nun bittere Realität: Zum größten Teil wurden die Hebesätze nicht aufkommensneutral umgestellt, sondern überproportional angehoben, um die Einnahmeseite zu verbessern.
15 der 16 Kreiskommunen haben einen Hebesatz beschlossen, der mindestens fünf Prozentpunkte über dem vom Land berechneten aufkommensneutralen Wert liegt“, erklärt Kilp.
Nur in Ringgau (-4) wurde ein Hebesatz bestimmt, der niedriger ist. Am deutlichsten haben Wanfried (+216 Punkte), Witzenhausen (+194) und Großalmerode (+163) den aufkommensneutralen Orientierungswert überschritten.
Bei der Grundsteuer B liegen nach der Reform Bad Sooden-Allendorf (655 Prozent), Witzenhausen (555) und Wanfried (550) an der Spitze im Werra-Meißner-Kreis. Die Grundsteuer B wird auf bebaute und bebaubare Grundstücke erhoben. Da sie über die Nebenkosten auch auf die Mieterinnen und Mieter umgelegt werden kann, trifft sie alle Bürgerinnen und Bürger. Die geringsten Hebesätze haben mit jeweils 320 Prozent fünf Kommunen beschlossen. Mit einem Hebesatz-Schnitt von 406 Prozent liegt der Werra-Meißner-Kreis 83 Punkte über der durchschnittlichen aufkommensneutralen Empfehlung des Landes für den Kreis (323), aber deutlich unter dem Durchschnitt aller hessischen Städte und Gemeinden (499 Prozent).
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